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32Red: Strafe durch britische Werbeaufsicht

Das Management und die Werbeabteilung des britischen Glücksspielanbieters 32Red gelten als ungemein kreativ. Das wiederum hat dem Unternehmen in der Vergangenheit schon häufiger ein paar Probleme mit den britischen Behörden eingebracht. Und auch aktuell steht es wieder nicht gut um den Konzern. Im konkreten Fall geht es um die Werbung für den Slot „Jack and the Beanstalk“. Dieser ist bekanntermaßen angelehnt an ein Märchen und könnte somit speziell Kinder und Jugendliche anziehen, so die Werbeaufsicht. Der Konzern äußerte sich bereits zu den Vorwürfen, gleichzeitig wurde die angemahnte Werbung entfernt.

Treppen eines Gerichtsgebäudes.

Die britische Werbeaufsicht ASA hat wieder einmal regulierend eingegriffen. Jetzt trifft es den Anbieter 32Red, der mit seiner Werbung offenbar speziell Kinder angesprochen haben soll. (©Pixabay)

Nähe zum Märchen könnte Kinder und Jugendliche anlocken

32Red ist in den letzten Jahren einer der aufstrebenden Glücksspielanbieter in Großbritannien. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich der Anbieter immer wieder einprägsame Werbemaßnamen überlegt, mit denen die Aufmerksamkeit der Spieler gewonnen werden kann. So auch im April 2019, als der Konzern offenbar nichtsahnend eine Werbeanzeige auf Google für sein Spiel „Jack and the Beanstalk“ schaltete. Grafiken oder ähnliches wurden hier nicht verwendet, dafür allerdings eine Aufforderung zum Spielen mit einem zusätzlichen Hinweis auf die möglichen Bonusangebote des Casinos. Genau in dieser Werbeanzeige sieht die Advertisiting Standards Authority (ASA) ein großes Problem.

Wie die Behörde mitteilte, hätte der Glücksspielanbieter zwar auf die Grafiken zur Unterstützung seiner Botschaft verzichtet, dennoch hätte man eine Gefährdung von Jugendlichen und Kindern in Kauf genommen. Diese hätten möglicherweise auf Google nach dem Märchen gesucht und wären dann unter Umständen auch auf die Anzeige des Unternehmens gestoßen, so die ASA. Aus diesem Grund müssen man hier von einem kindergefährdenden Schritt sprechen, gleichzeitig forderte die ASA die Einstellung dieser Werbekampagne.

Konzern reagiert auf die Vorwürfe

32Red hat die Vorwürfe der britischen Werbeaufsicht nicht einfach im Raum stehen lassen, sondern umgehend auf diese reagiert. So teilte der Konzern mit, dass die Werbung für das Spiel tatsächlich Teil einer Werbekampagne im April war. Darüber hinaus gab man bekannt, dass man das Spiel intern als sogenanntes „High Risk Spiel“ eingestuft hat. Die Folge: Spielbar ist das Game erst dann, wenn ein Spielerkonto im Casino eröffnet wurde und die Altersverifizierung erledigt werden konnte. Angezeigt wird das Spiel den Spielern ohne Spielerkonto und den Altersnachweis laut Anbieter dementsprechend nicht.

Wie zu erwarten war, teilte 32Red ebenfalls mit, dass man die Werbekampagne mit der betreffenden Werbung bereits beendet habe. Das dürfte wiederum auch der Grund dafür sein, dass sich die ASA lediglich mit einem „Rüffel“ zufrieden gibt und keine empfindliche Strafe gegen den Glücksspielkonzern ausruft.

32Red fällt mit seiner Werbung wieder auf

Dennoch ist es auch nicht das erste Mal, dass 32Red mit seiner in vielen Fällen kreativen Werbung auf sich aufmerksam macht. Erst vor wenigen Wochen sorgte der Konzern durch einen anderen Werbe-Deal schon einmal für viel Gesprächsbedarf. Während Werbe-Analysten den Coup vermutlich als Geniestreich bezeichnen würden, hat der Konzern in Großbritannien hierfür von verschiedenen Stellen auch einige kritische Stimmen kassiert. Konkret geht es dabei um den Wechsel der englischen Fußball-Legende Wayne Rooney zum Traditionsverein Derby County. Schon der Wechsel überrascht: Rooney war lange Zeit Nationalspieler, Derby wiederum kickt eher in den Untiefen des britischen Fußballs. Dennoch erhält Rooney ein Gehalt, welches das Salär der Kicker in dieser Liga um ein Vielfaches übersteigt.

Möglich gemacht haben soll den Transfer auch der Anbieter 32Red. Der Mutterkonzern, die Kindred Group, war erst kurze Zeit vorher als Partner des Vereins aktiv geworden. Dazu passt, dass der Club seinen Neuzugang auch noch mit der Rückennummer 32 präsentierte – wohl nicht ganz zufällig. Kritik musste sich der Glücksspielanbieter daraufhin aber nicht nur von Politikern oder generellen Glücksspielkritikern gefallen lassen. Auch innerhalb der Branche gab es Stimmen, dass 32Red mit seinem Verhalten dem ohnehin schon angekratzten Image noch weiter Schaden würde. So erklärte es der GVC-Chef Kenny Alexander als unmittelbare Reaktion auf den Rooney-Deal. Dennoch ist auch in Zukunft davon auszugehen, dass noch die eine oder andere 32Red-Kampagne in England in den Startlöchern steht.

Märchen und Co. immer wieder im Fokus der Kritik

Um ihren Spielern möglichst vielseitige Spiele zur Verfügung zu stellen, setzen die Spielentwickler und Online Casinos vermehrt auch auf Spiele mit Bezug zu gewissen Themen. So ist „Jack and the Beanstalk“ keinesfalls der einzige Themen- oder Märchen-Slot. Zahlreiche Spiele sind an diese Geschichten angelehnt, zusätzlich werden auch viele Spiele basierend auf Actionfilmen oder Serien entwickelt. Für die Spieler sind diese Slots in der Regel ein Highlight im Portfolio, schließlich kommen sie ihren Action- und Film-Helden auf diesem Wege noch einmal einen Schritt näher.

Allerdings sorgen eben diese Spiele auch immer wieder für Probleme zwischen den Glücksspielunternehmen und den Behörden. Immerhin sind Erwachsene nicht die einzigen, die Superhelden kennen. Sondern auch Kinder. Genau die sollten laut den britischen Behörden allerdings besonders geschützt werden und dürfen dementsprechend nicht mit den Werbeanzeigen für diese Spiele konfrontiert werden. Das klappt nicht immer. In den letzten Monaten hat die ASA mehrmals Unternehmen ermahnt, ihre Werbemaßnahmen anzupassen. Abseits der laufenden Debatte rund um die Inhalte der Werbung geht es auch um die Häufigkeit. Immer wieder mahnten Kritiker zuletzt an, dass die Werbemaßnahmen der Glücksspielbranche das eigentliche Maß deutlich überschreiten würden. Reagiert hat die Branche hierauf aus eigener Motivation. Die größten Glücksspielunternehmen erklärten, dass Werbebudget künftig deutlich zu reduzieren. Zusätzlich dazu sollen die Abgaben für gemeinnützige Projekte und Einrichtungen erhöht werden. Auch das ist in en Augen der Kritiker allerdings noch zu wenig und demnach vor allem ein Schritt, dem Gesetzgeber zuvor zu kommen. Immerhin sind freiwillige Beschränkungen für die Branche noch immer besser als Beschränkungen durch den Gesetzgeber. In den kommenden Wochen und Monaten dürfte diese Diskussion in Großbritannien also weiter für Zündstoff zwischen Branche und Politik sorgen.

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Der Beitrag wurde am 1.10.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , , veröffentlicht.
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