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Schweiz: Erste 100 Netzsperren aktiv

Spätestens jetzt dürfte einigen Schweizer Spielern klar geworden sein, dass im Online-Glücksspiel in der Alpenrepublik eine neue Zeitrechnung anbricht. Fortan ist der Markt nur noch für die heimischen Anbieter geöffnet. Das sind ausschließlich die Spielbanken, die erst in wenigen Fällen eigene Portfolios auf die Beine gestellt haben. Dennoch sind die Konkurrenten aus dem Ausland bereits vom Markt verbannt. Gut 100 Webseiten trifft es im ersten Schritt, es sollen aber laufend weitere Netzsperren folgen.

Die Internet-Suchmaschine Google auf einem Tablet.

Glücksspiel im Internet: Die ersten 100 Netzsperren für ausländische Casinos sind in der Schweiz aktiv. Experten kritisieren diese allerdings als unwirksam.  (©Pixabay)

Internetanbieter leiten Besucher um

In diesen Tagen ist es soweit. In der Schweiz werden nach langer Anlaufzeit nun die ersten Internetsperren umgesetzt. Insgesamt rund 100 Unternehmen werden mit ihren Angeboten von den Schweizer Behörden blockiert. Welche Unternehmen das sind, ist im Bundesblatt nachzulesen. Festgelegt werden die „Teilnehmer“ der Liste durch die Eidgenössische Spielbankenkommission und die internationale Lotteriebehörde Comlot. Aufgeführt werden dabei sowohl internationale Branchengrößen als auch kleinere Unternehmen, die als unbekanntere Anbieter bezeichnet werden können. Die Regel ist in allen Fällen gleich: Eine Lizenz für den Schweizer Markt ist nicht vorhanden und so darf das Angebot hier auch nicht zur Verfügung gestellt werden.

Durch die Veröffentlichung sind in erster Instanz jetzt erst einmal die Internetanbieter in der Schweiz zum Handeln gezwungen. Diese müsse jetzt nämlich die Sperre in die Tat umsetzen und die Besucher der ausgeschlossenen Anbieter künftig umleiten bzw. einen Warnhinweis anzeigen. Dieser zeigt dann an, dass die gewünschte Webseite in der Schweiz nicht angesteuert werden kann. Aber: Noch sind nicht alle Anbieter bzw. Internetanbieter von den Änderungen betroffen. Diese haben ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung insgesamt fünf Tage Zeit</strong<, um die Sperre der jeweiligen Glücksspielunternehmen umzusetzen.

Casinos und Wettanbieter von den Sperren betroffen

Betroffen sind von den Sperren künftig nicht nur Online Casinos. In der ersten Welle wurden stattdessen zwei unterschiedliche Listen der Spielbankenkommission und von Comlot erstellt. Die Spielbankenkommission hat demnach 39 Online Casinos auf ihrer Liste aufgeführt, die Lotteriebehörde insgesamt 65 Anbieter. Einige Unternehmen überschneiden sich und so wurde ein Pool von erst einmal 100 Anbietern festgelegt. Dem gegenüber stehen aktuell drei legale Angebote in der Schweiz, welche von den Spielbanken des Landes bereitgestellt werden und durch die Spielbankenkommission zugelassen wurden.

Doch wie wird so eine Netzsperre überhaupt umgesetzt? Im Prinzip ist das recht einfach zu erklären. Die Internetanbieter blockieren im Domain Name Service (DNS) die jeweilige Webseite des Anbieters. Der Provider leitet einen Benutzer also auf eine falsche Seite, wenn dieser die eigentlich richtige Webseite des Anbieters aufrufen möchte. Wie die „Basler Zeitung“ eine Expertin und Kritikerin zitiert: „Die Provider werden gezwungen, Antworten auf Anfragen an das Internet-Telefonbuch DNS zu fälschen.“

Sperren zu leicht zu umgehen?

Ebenfalls Kritiker sind es, die von einer viel zu leichten Manipulationsmöglichkeit sprechen. Spieler könnten zum Beispiel einfach auf einen alternativen DNS-Dienst zurückgreifen und diesen in den Einstellungen des Computers bzw. Endgerätes aktivieren. Ein derartiges Angebot wird sogar vom Internetriesen Google zur Verfügung gestellt – kostenlos versteht sich. Ermöglicht wird hierdurch auch, eine VPN-Verbindung ins Leben zu rufen. Mit dieser wird der Standort des Nutzers in einem anderen Land simuliert, da dieser über einen ausländischen Server auf das Angebot des Glücksspielunternehmens zurückgreift. Auch so kann die Sperre aus Sicht der Schweizer Spieler also offenbar bequem umgangen werden. Juristen sind sich in diesem Zusammenhang auch einig, dass den Spielern bei einem Vergehen bzw. einem Umgehen keinerlei Strafen drohen. Das Spiel selbst ist immerhin nicht verboten. Gesetzeswidrig würden sich stattdessen lediglich die Anbieter verhalten, die ihre Spiele unbewilligt in der Schweiz zur Verfügung stellen würden.

Kritiker sehen die Sperren als unwirksam an

Gegenüber der „Basler Zeitung“ erklärt der Rechtsanwalt Martin Steiger, dass Spieler sich lediglich bewusst sein sollten, dass die Anbieter aus dem Ausland nicht an die Schweizer Vorgaben zum Spielerschutz oder der Prävention gebunden sind. Unterm Strich ist der Experte aber davon überzeugt, dass die Netzsperren unwirksam sind. „Wer bisher auf diesen Seiten gespielt hat, wird das weiterhin tun“, so Steiger. Darüber hinaus sieht der Jurist noch ein weiteres Problem auf die Anbieter zukommen. Die DNS-Dienste würden stetig verbessert und stärker verschlüsselt werden. Dadurch, dass man hier für die Umleitung nun eingreifen müsse, würde man potenzielle Türen für Hacker und Internetkriminelle öffnen.

Vor allem in den letzten Tagen bekommen die Kritiker der Netzsperren noch einmal neuen Aufwind. Diese Sperren wurden im vergangenen Jahr durch eine Volksabstimmung ins Leben gerufen und waren damals der mit Abstand umstrittenste Bestandteil des neuen Gesetzes. Kritiker befürchteten, dass die Netzsperren „Schule machen“ könnten und von den Behörden dann auch in anderen Bereichen eingesetzt werden. Bislang war dieses Thema für die Schweizer Internetanbieter ein Fremdwort. Einen Zwang für Sperren gab es nicht, stattdessen schlossen diese mit freiwilligen Sperren bisher lediglich die Anbieter von kinderpornografischen Inhalten aus. Aber: Dabei soll es nicht bleiben. Wie das Parlament bereits verlauten ließ, sollen künftige weitere Netzsperren ins Leben gerufen werden. Bereits in naher Zukunft werden dann auch Pornoseiten mit verbotenen pornografischen Inhalten gesperrt. Welche Arten der Inhalte davon genau betroffen sind und wann die Sperre umgesetzt wird, ist aber noch nicht bekannt.

Das neue Schweizer Glücksspielgesetz

Im vergangenen Sommer haben sich die Eidgenossen in der Schweiz für ein neues Glücksspielgesetz ausgesprochen. Mit mehr als 72 Prozent der Stimmen sprachen sich die Eidgenossen damals für eine Öffnung des Schweizer Marktes aus – allerdings auch nur für die Schweizer Spielbanken. Diese können seit dem mit ihren eigenen Portfolios im Internet aktiv werden und stellen sich dieser Herausforderung nach und nach. Alle Anbieter, die mit einer Lizenz aus einem anderen europäischen Land ihre Spiele in der Schweiz anbieten wollen, werden hingegen fortan mit der Netzsperre belegt. Schon im Vorfeld der Abstimmung war die Kritik damals enorm groß – und ist nur bedingt weniger geworden. Noch immer wird befürchtet, dass die Netzsperren Stück für Stück auf andere Bereiche ausgeweitet werden.

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Der Beitrag wurde am 9.9.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , veröffentlicht.
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