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bet365: Gibraltar bleibt, Malta aber auch

In den letzten Monaten wurden immer wieder Gerüchte laut, dass der britische Glücksspielriese bet365 aufgrund der Brexit-Unklarheiten einen Umzug aus Gibraltar nach Malta anstrebt. Der Konzern hat diese Gerüchte jetzt erst einmal beiseiteschieben können. Der Standort auf Gibraltar wird definitiv beibehalten. Gleichzeitig betonten die Briten aber auch, dass ein Großteil aller Arbeitsplätze tatsächlich nach Malta verlagert wird. Auf die Lizenzen soll das erst einmal keine Auswirkungen haben. Nach den bisher guten Erfahrungen möchte bet365 offenbar auch weiterhin mit Lizenzen aus beiden Ländern arbeiten.

Luftaufnahme von Gibraltar und dem Hafen von Gibraltar.

Seinen Standort auf Gibraltar wird der Glücksspielriese bet365 erst einmal behalten. Dennoch wird das Kerngeschäft künftig wohl auf Malta abgewickelt. (©Pixabay)

Nur 20 Prozent der Jobs bleiben auf Gibraltar

Der Komplett-Umzug beim britischen Glücksspielriesen bet365 von Gibraltar nach Malta scheint vom Tisch. So richtig durchatmen können die zahlreichen Angestellten des Konzerns auf Gibraltar aber dennoch nicht. Nur vom Tisch ist hier der Komplett-Umzug. Dennoch soll ein Großteil der Arbeitsplätze künftig nach Malta geschoben werden. Wie das Unternehmen mitteilte, wolle man künftig rund 20 Prozent der Arbeitsplätze auf Gibraltar behalten. 80 Prozent der Jobs würden demnach nach Malta verschoben werden. Bei rund 500 Arbeitsplätzen in der britischen Enklave würde das bedeuten, dass gut 400 Jobs auf Gibraltar wegfallen, bzw. nach Malta geschoben werden. 100 Stellen sollen demnach in der Enklave bleiben.

Um die Belegschaft nicht vollends hängen lassen zu müssen, soll der britische Glücksspielkonzern seinen Mitarbeitern auf Gibraltar in vielen Fällen offenbar einen Vorschlag unterbreitet haben, den Standort in Richtung Malta zu wechseln. Sonderlich attraktiv dürfte das Angebot nicht für alle Mitarbeiter gewesen sein, schließlich ist die Entfernung zwischen Gibraltar und Malta keinesfalls gering. Offenbar ist auch nicht genau bekannt, wie viele Mitarbeiter das Umzugs-Angebot der Briten letztendlich in Anspruch genommen haben.

Komplett-Umzug offenbar nie ein ernstes Thema

Obwohl in den Medien in den letzten Monaten teilweise heftig über den möglichen Umzug der Briten nach Malta spekuliert wurde, scheint dieser zumindest für den Konzern zu keinem Zeitpunkt ein echtes Thema gewesen zu sein. Wie ein Sprecher von bet365 mitteilte, hätte das Unternehmen schon immer geplant, seine Büros auf Gibraltar weiterzubehalten, um von dort aus die Geschäfte in Großbritannien abzuwickeln. Für Gibraltar ist das ein enormer Erfolg, denn die Wirtschaft des Landes profitiert ganz wesentlich von dem britischen Giganten. Dementsprechend zufrieden zeigte sich der Chief Minister Fabian Picardo, der in einem Statement zum Verbleib sagte:

“Ich freue mich sehr darüber, dass bet365 Gibraltar nicht verlassen wird. Das sind sehr gute Nachrichten. Albert Isola und ich haben viel Zeit und Mühe investiert, sie dazu zu bewegen, in Gibraltar zu bleiben. Ich bin sofort zu ihrem Hauptsitz in Stoke in Großbritannien gereist, um das Management des Unternehmens zu treffen, nachdem wir über die Entscheidung informiert worden waren, dass ein Teil des Geschäfts in Gibraltar bleiben wird.“

Die Euphorie des Chief Ministers ist auch in der Hoffnung begründet, dass ein möglicher No-Deal-Brexit durch den Verbleib der Unternehmen auf Gibraltar möglichst stark abgefedert werden kann. Picardo erklärte so, dass er daran glaube, dass die Branche auf Gibraltar künftig noch weiter wachsen und stärker aufblühen würde.

Gibraltar befindet sich in unangenehmer Lage

Doch warum hat Gibraltar eigentlich mit möglichen Umzügen von Glücksspielunternehmen zu kämpfen? Der Grund hierfür liegt nicht etwa auf Gibraltar selbst, sondern ist einige Kilometer entfernt zu finden – und zwar in Großbritannien. Schon seit 1973 ist Gibraltar eine britische Enklave, die sich zwar in Südspanien befindet, aber vor allem von den Regelungen aus Großbritannien abhängig ist. Genau hier liegt das Problem. Die Enklave hat in den letzten Jahren enorme Geldsummen verdient. Vor allem dadurch, dass sich zahlreiche Glücksspielunternehmen im Land angesiedelt haben. Jetzt allerdings droht ein Brexit – und das sogar noch ohne Deal.

Für Gibraltar hätte dieser No-Deal-Brexit möglicherweise enorme Auswirkungen. Rund 10.000 Menschen sind in der Glücksspielbranche des Landes tätig. Eine Vielzahl dieser Arbeitsplätze droht wegzubrechen. bet365 ist in diesem Zusammenhang nicht das einzige Unternehmen, welches einen Abzug aus Gibraltar anstrebt. Schon 2017 gab der britische Konzern Paddy Power Betfair bekannt, dass Geschäfte auf Gibraltar geschlossen werden sollen.

Genauen Folgen sind noch nicht absehbar

Es ist kein Geheimnis, dass die Folgen eines No-Deal-Brexit auch unweigerlich auf Gibraltar zu spüren sein werden. Wie genau, ist allerdings noch vollkommen unklar. In erster Linie geht es um zahlreiche Arbeitsplätze, die zum Beispiel durch die Umzüge der Unternehmen verlorengehen. Gleichzeitig befürchten Experten aber etwa auch die Einführung von Grenzkontrollen, was vor allem für die Pendler zwischen Spanien und Gibraltar problematisch werden könnte. Viele Menschen arbeiten aber nur in der britischen Enklave und pendeln vom Wohnort in Spanien täglich zur Arbeit. Jüngst äußerte sich hierzu auch der CEO von William Hill, Philip Bowcock. Dieser erklärte:

“Die Grenzüberschreitung könnte eine Menge Zeit in Anspruch nehmen, wenn die Spanier beschließen, detaillierte Passkontrollen und andere Überprüfungen durchzuführen.“

Es erübrigt sich im Prinzip zu erwähnen, dass auch William Hill eines der britischen Unternehmen ist, welches einen Großteil seiner Aktivitäten bereits aus Gibraltar abgezogen hat. Und genau das dürfte auch in weiteren Fällen passieren, sollte hier zwischen Europa und Großbritannien in der Brexit-Debatte keine Einigung gefunden werden. Profiteur des Ganzen wäre dann aktuell vor allem das Land Malta. Schon jetzt gilt der Mittelmeer-Stadt rund um das Glücksspiel als Nummer Eins in Europa. Diese Vormachtstellung dürfte bei einem No-Deal-Brexit noch stärker gefestigt werden als bisher schon. Mit Spannung verfolgt werden die Entscheidungen in der Politik also auch bei den Unternehmen, die bisher noch keinen Abgang aus Gibraltar angekündigt haben. Interessant: Bisher gab es auch noch kein Unternehmen, welches erklärte, im Falle eines No-Deal-Brexit komplett in der Enklave zu bleiben. Da bereits jetzt einige echte Größen umgezogen sind, ist die Debatte aus Sicht von Gibraltar aber definitiv negativ zu bewerten. Gut möglich, dass sich das bisher enorme Bruttoinlandsprodukt von aktuell rund 1,5 Milliarden Pfund dann deutlich reduzieren wird. Anders gesagt: Gibraltar stehen unter Umständen harte Zeiten bevor.

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Der Beitrag wurde am 2.9.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , veröffentlicht.
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