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Britisches Glücksspielgesetz soll reformiert werden

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht über mögliche Reformen und Änderungen in der britischen Glücksspielbrache diskutiert wird. Oftmals handelt es sich um fragwürdige Debatten, die nach kurzer Zeit wieder beendet sind. Jetzt allerdings könnte es anders sein. In diesem Fall kommen die Forderungen nach einer Gesetzesänderung nämlich von Lord Chadlington vom House of Lords. Dieser erklärte in einem Interview, dass die Gesetzgebung nicht mehr zeitgemäß sei und deshalb überarbeitet werden müsse. Ebenso wurde die Gründung einer unabhängigen und wohltätigen Organisation erklärt, welche für die Verwaltung des Anti-Spielsucht-Fonds der Branche zuständig sein soll.

London bei Nacht und aus der Luft.

London und ganz Großbritannien verfügen über einen enorm großen Glücksspielmarkt. Immer wieder gibt es allerdings Kritik, mit welcher die Glücksspielgesetzgebung im Land als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet wird. (©Pixabay/Lizenzfrei)

Neue Organisation soll 100-Millionen-Pfund-Fonds verwalten

In einem Interview mit der britischen Financial Times hat sich Lord Chadlington vom House of Lords zur Glücksspielbranche geäußert. Angesprochen hat der Lord hier vor allem die Wohltätigkeitsorganisation „Action Against Gambling Harm“. Hierbei handelt es sich um eine frisch gegründete Organisation, welche durch eine Zustimmung der fünf größten Glücksspielunternehmen Großbritanniens entstanden ist. Diese erklärten sich im Sommer dieses Jahres dazu bereit, bis 2023 einen Betrag von 100 Millionen Pfund in einen Anti-Spielsucht-Fonds einzuzahlen. Ab 2023 sollen zukünftig Teile des Jahresumsatzes in den Fonds fließen. Interessant ist dabei auch die Besetzung der Kommission. Mit dabei ist hier zum Beispiel Tracey Crouch, welche als Ministerin für Sport, Medien und Soziales oft mit der Glücksspielbranche zu tun hatte. Crouch war es auch, die sich massiv für die Begrenzung der Einsätze an den FOBTs einsetzte (von 100 Pfund auf zwei Pfund pro Runde begrenzt). Ebenfalls Mitglied ist zudem Liz Ritchie, deren Sohn sich aufgrund seiner Spielsucht das Leben nahm.

Die Mitglieder der Kommission sollen den neuen und millionenschweren Fonds verwalten und entscheiden, welchen Zwecken die Gelder zugutekommen sollen. Angesichts dieser enormen Aufgabe und Verantwortung dürfte man mit den Kommissionsmitgliedern eine gute Wahl getroffen haben. Schließlich sind oder waren diese direkt in entsprechende Szenarien rund um die Glücksspielsucht involviert.

House of Lords fordert Gesetzesnovelle

Ebenfalls geäußert hat sich Lord Chadlington auch über das geltende Glücksspielgesetz in Großbritannien. In den Augen des Lords ist dieses nicht mehr zeitgemäß, was vor allem mit der Digitalisierung zu tun habe. So sei ein Großteil der Gesetz 2005 ins Leben gerufen worden, als das digitale Glücksspiel noch keine Rolle gespielt habe. Ausgerichtet sei das Glücksspielgesetz dementsprechend auf die stationäre Branche. Da sich der Markt aber nun gewandelt habe, müsse man auch das Glücksspielgesetz überdenken. Gegenüber der britischen Zeitung erklärte Chadlington:

“Die aktuelle Gesetzgebung ist für 2020 nicht mehr angemessen, da wir bei der Ausarbeitung im Jahr 2005 eine Internet-Verbreitung von etwa 18 Prozent im Land hatten. Jetzt sind es über 90 Prozent, so dass die Gesetze im Online-Bereich kaum greifen.“

Einen interessanten Ansatz greift der Politiker im Gespräch zudem rund um den Schutz der Jugendlichen und Kinder auf. Hier sieht Chadlington offenbar ein großes Problem darin, dass immer mehr Jugendliche ein Mobilgerät besitzen würden und mit diesem Spiele spielen, die sie möglicherweise frühzeitig in Richtung Glücksspiel treiben. Der Politiker hierzu:

“Wenn man sich die Kinder ansieht, die auf ihren Handys spielen, sind es vor allem die Zeit und Intensität, mit der sie das tun, welche für ein beunruhigendes Gefühl sorgt, weil sie es ständig tun. Wenn so tatsächlich mentale Wege geschaffen werden, die sie schneller zum Glücksspiel führen, ist dies ein Punkt, an dem wir tätig werden müssen.“

Wie groß wird der Druck auf die Branche?

Die Forderungen von Lord Chadlington sind zwar konkret, grundsätzlich aber kein ganz neuer Ansatz. Bereits in der Vergangenheit wurden immer wieder Forderungen laut, dass sich die Glücksspielbranche noch stärker für Spieler und deren Betreuung bzw. Hilfe einsetzen müsste. Aus diesem Grund wurde erst der Fonds der Glücksspielriesen ins Leben gerufen, welcher in den Augen von Kritikern allerdings nicht als ausreichend bezeichnet werden kann. Viel mehr sehen diese darin einen Versuch, eine strengere Gesetzgebung und den Druck zu höheren Abgaben zu umkurven. Adam Brandford, der Gründer der Safer Online Gambling Group, fordert deshalb, dass die Glücksspielunternehmen künftig noch weitaus mehr Gelder abgeben sollen, als zugesagt:

“Es muss das Zehnfache sein und jeder einzelne Anbieter im Land muss einen bestimmten Betrag seines Gewinns abgeben. Die Unternehmen entwickeln sich sehr schnell und geben hierfür und für neue Produkte Hunderte von Millionen Pfund aus. Nur ein geringfügiger Betrag geht in die Behandlung des problematischen Spiels“

Bis März 2019 hätte die britische Online-Branche einen Umsatz von 5,3 Milliarden Pfund erwirtschaftet. Damit konnte sich der Markt innerhalb von nur rund vier Jahren fast vervierfachen. Zusätzlich dazu hat ein Forschungsbericht herausgefunden, dass die Spieler von 2015 bis 2018 online Einsätze in Höhe von rund 329 Millionen Pfund platziert hätten. Damit sei ein Zuwachs von fast 25 Prozent erkennbar. Als besonderes Beispiel nennt Brandford den Glücksspielriesen Flutter Entertainment. Dieser habe zwar der Zahlung in den Fonds zugestimmt, jedoch wäre dieser Anteil so klein, dass es sich nicht einmal um ein Fünftel der Einnahmen handele, die Flutter in den ersten sechs Monaten des Jahres schon allein mit seinen Wettbüros erwirtschaftet habe. Branford steht mit seiner Meinung nicht allein. In den letzten Monaten wurde immer wieder gefordert, dass die britische Glücksspielbranche noch mehr für den Spielerschutz tun müsse. An anderen Stellen allerdings wird der Branche auch zunehmend die Chance auf gute Geschäfte verwehrt. Erst jüngst wurde hier zum Beispiel ein Gesetz verabschiedet, welches die Werbemaßnahmen deutlich beschränkt. Glücksspielunternehmen ist es untersagt, vor, während oder nach der Live-Übertragung von Sportveranstaltungen für das eigene Angebot zu werben. Das trifft vor allem deshalb, weil sich hier in der Regel der größte Kundenkreis entdecken lässt.

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Der Beitrag wurde am 26.12.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , veröffentlicht.
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