Startseite
Startseite > Magazin > Casino Bad Homburg: Über 1 Mio. Euro gestohlen

Casino Bad Homburg: Über 1 Mio. Euro gestohlen

Es war eine Menge los in der Spielbank in Bad Homburg! Die Spielstätte, die vornehmlich mit eigenen Abend-Angeboten für Gesprächsstoff sorgen soll, ist jetzt aufgrund ganz anderer Dinge in die Schlagzeilen geraten: Ein Angestellter soll gemeinsam mit zwei Komplizen rund 1,1 Millionen Euro aus dem Bestand der Spielbank entwendet haben. Der Hauptverdächtige sitzt bereits in Untersuchungshaft, vom Geld fehlt allerdings jede Spur.

Roulette in Bad Homburg

Die Spielbank Bad Homburg wurde um 1,1 Millionen Euro erleichtert. Allerdings nicht durch einen glücklichen Spieler, sondern mutmaßlich durch einen kriminellen Angestellten.

Nicht sonderlich clever angestellt

Wie in der berühmten „Oceans“-Reihe, in der Casino-Räuber zahlreiche große Casinos am Strip in Las Vegas leerräumten, hat sich ein ehemaliger Angestellter der Spielbank Bad Homburg offenbar gemeinsam mit zwei Kollegen ebenfalls als Casino-Bandit versucht – mit weitaus weniger Erfolg als die Vorbilder in den Hollywood-Streifen. Ihren Job sind alle drei los, der Hauptverdächtige sitzt bereits in Untersuchungshaft. Das einzige Problem: Die 1,1 Millionen Euro Beute sind bislang noch nicht aufgetaucht. Aber der Reihe nach.

Nachdem sich die Spielbank in den Tagen unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Vorfalls mit Äußerungen noch zurückgehalten hatte, wurden am vergangenen Donnerstag einige Informationen herausgegeben. Man habe erst die Sondersitzung des Verwaltungsrates abwarten wollen, heißt es von offizieller Seite des Glücksspieletablissements. Das Wichtigste vorab: Eine Erklärung, warum der oder die Täter ihre Tat begangen haben, konnten die Verantwortlichen noch nicht liefern. Ohnehin gibt es einige große Fragen, zum Beispiel: Warum hat der Hauptverdächtige ausgerechnet in einem Raum zugeschlagen, in welchem gleich mehrere Kameras aktiv sind?

Zügiger Zugriff nach der zweiten Tat

Ebenfalls unbeantwortet blieben zunächst die Fragen nach dem Tathergang, den die Casino-Führung mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht weiter kommentieren wollte. Allerdings erklärte Kurdirektor Holger Reuter, dass der Mitarbeiter offenbar eine „interne Schnittstelle“ für seine Tat genutzt habe. Immerhin sei es nicht so, dass „morgens ein Mitarbeiter die Einnahmen aus dem Tresor holt und zu Fuß durch den Kurpark zur Bank bringt“. Stattdessen handele es sich um einen komplexen Prozess bei der Sicherung der Geldtransporte. Wiederum Informationen geliefert werden konnten von den Betreibern zu den Taten selbst. So soll der Täter das erste Mal bereits im Januar zugeschlagen haben und im Bereich der Devisen einen Betrag von rund 300.000 Euro erbeutet haben können. Das Problem: Die damalige Tat ließ keinen wirklich engen Täterkreis entstehen. Tatsächlich kamen bei diesem Vorfall auch Außenstehende in Frage. Das Casino entschied sich daher dazu, das Geschäft erst einmal regulär weiterlaufen zu lassen, stellte gleichzeitig aber Strafanzeige. Reuter erklärte dazu:

“Wir haben eng mit Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet, unser internes Kontrollsystem angepasst sowie eine Top-Forensikerin und eine renommierte Kanzlei einbezogen.“

Das abwartende Vorgehen der Spielbank zahlte sich dann aus: Wenige Wochen später ereignete sich ein neuer Vorfall. Dieses Mal wurde ein Fehlbetrag von rund 800.000 Euro im Tresor der Spielbank entdeckt. Der Täterkreis war in diesem Fall deutlich kleiner und so erklärte Reuter, dass innerhalb von 48 Stunden nach der zweiten Tat ein Zugriff erfolgt sei. Zusätzlich ergänzte der Kurchef, dass man vom eigenen Sicherheitssystem überzeugt sei und dieses funktioniert habe. Immerhin habe dieses aus dem Verdächtigen einen mutmaßlichen Täter machen können. Obwohl sich dieser Vorfall bereits im März ereignete, wurde der Verdächtige allerdings erst Ende April verhaftet. Die Casino-Führung begründet dies mit hohen rechtlichen Hürden bei der Auswertung von Videomaterial. Anders als zum Beispiel in den „Oceans“-Filmen, würde in den deutschen Spielbanken nicht jeder Quadratmeter videoüberwacht werden. Zudem wurde das Fehlen des Geldes offenbar nicht sofort bemerkt.

Spielbank gibt sich betont cool

Wie hoch der finanzielle Schaden für die Spielbank ausfallen wird, ist bislang noch nicht absehbar, da noch nicht klar ist, wie viel Geld bei den Beschuldigten zu holen ist. Fakt ist aber, dass die Spielbank-Führung trotz der ungünstigen Lage die Coolness nicht verloren hat. So erklärte Reuter, dass man versichert sei und die Versicherung auch bereits früh in die Ermittlungen miteinbezogen habe. Gleichzeitig gab der Kurchef zu wissen, dass es in seiner rund 33-jährigen Zeit bei der Spielbank bereits mehrere kriminelle Vorkommnisse gegeben habe und die Spielbank nicht die erste und einzige sei, die von Kriminellen betroffen sei. Reuter dazu:

“Wir sind auch ein Spiegelbild der Gesellschaft, allerdings geht es bei einem Unternehmen mit rund 240 Mitarbeitern nicht ohne Vertrauen.“

Somit dürfe man nicht hinter jedem „Busch einen Verbrecher“ vermuten, auch wenn der oder die Beschuldigten in diesem Fall mit viel krimineller Energie vorgegangen seien. Die Aufgabe der Spielbank sei es, die möglichen Schlupflöcher für Kriminelle zu schließen. Man werde“ aber immer wieder ein faules Ei im Körbchen“ haben, so Reuter. Was mit den beiden mutmaßlichen Mittätern geschieht, ist bislang noch unklar. Anders als der Hauptverdächtige, sitzen diese nicht in Untersuchungshaft. Den Job bei der Spielbank sind aber auch sie los. Ob es eine mögliche Rückkehr für die beiden geben wird, falls sich im Verfahren die Unschuld beweisen lassen könne, wollte die Führung der Spielbank bisher noch nicht bekunden. Möglicherweise kommt es hier in Zukunft noch zu weiteren arbeitsrechtlichen Problemen für das Casino, über die dann unter Umständen wieder eines oder mehrere Gerichte entscheiden müssen.

5.0
Bewerte diesen Inhalt:
1 vote
Der Beitrag wurde am 15.5.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , veröffentlicht.
Folge Uns:---