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Einbußen für Englands Glücksspielkonzerne

Nachdem sich die Diskussion um eine stärkere Beschränkung der sogenannten Fixed Odds Betting Terminals in Großbritannien über mehrere Monate hinzog, wurde im April 2019 eine neue Richtlinie für das Spiel an diesen Geräten eingeführt. Bereits damals erklärten die Glücksspielkonzerne, dass dies horrende Auswirkungen auf deren Geschäft haben wird. Wie stark, war damals nur bedingt abzusehen – die Folgen sind aber tatsächlich horrend. So müssen zahlreiche Unternehmen ein deutliches Minus in Kauf nehmen, welches vornehmlich durch die ausbleibenden Einnahmen an den FOBTs gefördert wird.

Spielautomat in einem Casino.

Seit die Fixed Odds Betting Terminals in Großbritannien stärker reguliert werden, geht es den Glücksspielunternehmen des Landes deutlich schlechter. (©Pixabay)

Betfred mit über 40 Millionen Pfund im Minus

Von vielen Teilen der Politik wurden die Bedenken der britischen Glücksspielbranche rund um die Einsatzbeschränkung an den Fixed Oddds Betting Terminals regelrecht belächelt. Immerhin sind die Unternehmen in der Regel auf mehreren Geschäftsfeldern aktiv und konnten sich in den letzten Jahren in keiner Hinsicht über die Entwicklungen beschweren. Wie aktuelle Zahlen belegen, sind die Auswirkungen dieser Beschränkungen aber offenbar doch mindestens genauso schlimm, wie von der Branche erwartet. Da wäre zum Beispiel der Glücksspielriese Betfred, der in seiner letzten Jahresabschlussrechnung Einbußen in Höhe von 41,4 Millionen Pfund vermelden musste. Der Konzern begründet dieses klaffende Loch in der Kasse mit der Beschränkung der Höchsteinsätze an den Fixed Odds Betting Terminals. So hätte man bereits im Vorfeld Kosten von fast 120 Millionen Pfund stemmen müssen, welche den operativen Verlust ebenfalls begünstigt hätten.

In der Tat hat die britische Gambling Commission hier Anfang April ein enorm einschneidendes Gesetz ins Leben gerufen, mit welchem die Einsatzmöglichkeiten für die Spieler an den Terminals deutlich reduziert wurden. Lange Zeit war es den Spielern möglich, aus unterschiedlichen kleinen Spielen zu wählen und teilweise bis zu 100 Pfund pro Spielrunde einzusetzen. Das war dem Staat und der Regulierungsbehörde allerdings deutlich zu viel und so wurde der maximale Rundeneinsatz auf nur noch zwei Pfund abgesenkt. Wie stark dies die Einnahmen beeinträchtigt, dürfte auf der Hand liegen.

Große Auswirkungen auf den Markt erwartet

Betfred ist bei Weitem nicht das einzige Unternehmen, welches aktuell mit den enormen Einbußen aufgrund der zusätzlichen Regulierung zu kämpfen hat. So müssen auch die Branchen-Riesen William Hill, Paddy Power oder Ladbrokes horrende Einnahmen beklagen. William Hill beispielsweise beziffert seine Einbußen im operativen Geschäft 2018 auf mehr als 770 Millionen Pfund. Auch hier gab man an, dass das Minus vor allem mit den Einbußen im Bereich der FOBTs zu tun habe. Wie stark die Folgen und Auswirkungen im Detail ausfallen, könne jetzt allerdings noch nicht beantwortet werden, da man nun erst einmal abwarten müsse, wie die Kunden das neue Spielerlebnis aufnehmen würden. Im Interview mit einer britischen Zeitung erklärte die Branchenexpertin Emma-Lou Montgomery:

“William Hill ist vorsichtig, sich in Bezug auf die Höhe des Schadens festzlegen und das aus gutem Grund. Aber das Unternehmen war nicht untätig. Die Tatsache, dass die Gruppe eine Reihe von Maßnahmen ergriffen hat, um die Auswirkungen abzuschwächen, kommt dem Unternehmen jetzt zugute. Aber: Die Aktionäre und die rund 4.500 Mitarbeiter in den 900 Läden, die von einer Schließung bedroht sind, können nur hoffen, dass sich alles zum Guten wendet.“

In der Tat sehen zahlreiche Glücksspielunternehmen aufgrund der Einbußen schwierige Zeiten auf sich zu rollen. So erklärten die Unternehmen fast im einsprachigen Tenor, dass sich durch die Einbußen vermutlich auch zahlreiche Arbeitsplätze in Gefahr befinden würden.

Wie wieder raus aus dem Schlamassel?

Die große Frage für den britischen Glücksspielmarkt ist aktuell also vor allem die nach einem Ausweg aus dieser ungünstigen Situation. Diesen zu finden, dürfte allerdings nicht ganz einfach werden. Bereits kurze Zeit nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes haben sich die Unternehmen zum Beispiel wieder Ärger mit den Behörden eingehandelt, da die Spiele an den FOBTs leicht verändert wurden. Die Spieler müssen einen Spielschein am Counter bei einem Angestellten erwerben, wodurch das Spiel gesetzlich anders bewertet wird. Heißt also: Durch dieses „Counter-Geschäft“ versuchen die Unternehmen, die gesetzliche Regelung zu unterwandern. Zusätzlich dazu machen sich zahlreiche Unternehmen aber auch auf legalem Wege auf die Suche nach möglichen Auswegen. So erobern die britischen Glücksspielkonzerne in den letzten Monaten vor allem den neu eröffneten Glücksspielmarkt in den USA und gehen hier zahlreiche Partnerschaften mit US-Unternehmen ein. Ein Geschäft, welches sich durchaus lohnen könnte. Experten sehen einen milliardenschweren Markt wachsen, der erst in den kommenden Jahren so richtig florieren dürfte.

Zudem gehört zur ganzen Wahrheit auch, dass sich das Glücksspiel auf dem britischen Heimatmarkt abgesehen von den FOBTs eigentlich sehr gut entwickelt. Betfred zum Beispiel konnte ein Umsatzplus von 14,7 Prozent vermelden und legte damit einen Umsatz von gut 727 Millionen Pfund Sterling vor. Auch die anderen großen Unternehmen der Branche können ähnliche Zahlen vorlegen. Wie gut es den Konzernen teilweise noch geht, zeigen auch die Verhaltensweisen der Eigentümer und Aktionäre. So kassierte beispielsweise Betfred-Gründer Fred Done eine Dividende von mehr als zehn Millionen Pfund für das vergangene Geschäftsjahr. Die gleiche Summe gab es bereits in den beiden vorherigen Jahren. Allerdings: Nur wenige Kilometer entfernt hat sich in Großbritannien ein Konzern aufgrund seiner großen Bonuszahlungen gerade selbst ins Kreuzfeuer manövriert: Die GVC Holding.

Der Glücksspielriese zahlte seinem Chef Kenny Alexander im vergangenen Geschäftsjahr einen Bonus von satten 19 Millionen Pfund aus, nachdem bereits ein Jahr zuvor gemeinsam mit einem anderen Top-Manager des Unternehmens rund 67 Millionen Pfund Sterling als Bonus verbucht werden konnten. Die Aktionäre von GVC laufen in vielen Teilen Sturm gegen die Bonuszahlungen und haben das Unternehmen immerhin zur leichten Einsicht gebracht. Ab 2019 soll es demnach einen Cap für die Bonussummen geben, so dass diese nur noch begrenzt ausgezahlt werden. Ein schwacher Trost für die Aktionäre, gleichzeitig aber ein warnendes Beispiel für alle anderen Unternehmen der Branche, die in den letzten Jahren mit den Bonuszahlungen nicht gegeizt haben. Zu den besten Online Casinos

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Der Beitrag wurde am 27.6.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , veröffentlicht.
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