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Glücksspielgiganten wollen neues Komitee

Ein offizieller Name ist für das Spielerschutz-Komitee bereits gefunden, auch wenn dieses von einer Einführung derzeit offenbar noch ein kleines Stück entfernt ist. Unter dem Namen „Responsible Gaming Comittee“ werden künftig die fünft größten Glücksspielunternehmen in Großbritannien zusammenarbeiten und mit diesem Spielerschutz-Komitee ihre Aktivitäten in diesem Bereich ausbauen. Konkret gehören zu den „Big Five“ in Großbritannien die GVC Holdings, bet365, William Hill, Flutter Entertainment und Sky Betting and Gaming. Genau diese fünf Konzerne wollen sich nun also zusammentun und ein unabhängiges Komitee für das verantwortungsvolle Glücksspiel ins Leben gerufen.

Spielautomaten in einem Spielcasino.

Glücksspiel ist in England fest in der Gesellschaft verankert. Ein neues Spielerschutz-Komitee soll künftig dafür sorgen, dass die Spieler noch besser als bisher vor den möglichen Gefahren des Spiels geschützt werden. (©Pixabay)

Wie mitgeteilt wurde, besteht die Hauptaufgabe der Zusammenarbeit im Komitee vor allem darin, die finanziellen Abgaben der Glücksspielanbieter sinnvoll einzusetzen. Diese werden ironischerweise als freiwillige Abgaben bezeichnet, obwohl das eigentlich nur bedingt zutrifft. Fakt ist: Die britischen Glücksspielunternehmen müssen jährlich Abgaben für den Spielerschutz zahlen. Wie hoch diese ausfallen müssen, wird jedoch nicht vorgegeben. Einige Unternehmen hatten es daher in den letzten Jahren vorgezogen, enorm geringe Beiträge zu leisten, teilweise deutlich unter 0,1 Prozent der Nettogewinne.

Immer wieder Diskussionen um die Abgaben

Um die Abgaben der Glücksspielbranche gab es in der Vergangenheit viele hitzige Diskussionen. Gerade weil einige Konzerne nur einen enorm kleinen Beitrag leisteten, schaltete sich in der jüngeren Vergangenheit vermehrt die Politik ein und forderte, auf gesetzlichem Wege eine Mindestabgabe einzuführen. Ein Umstand, den die Branche natürlich so gut es geht vermeiden möchte. Aus diesem Grund wurde erst vor wenigen Wochen von den großen Unternehmen beschlossen, die freiwilligen Abgaben der Nettogewinne von 0,1 Prozent auf ein Prozent anzuheben. Allerdings nicht sofort, sondern in schrittweisen Erhöhungen. Bis 2023 soll dann das Ziel von einem Prozent erreicht werden können.

Sorgen soll für diese Zahlungen künftig also das neue Spielerschutz-Komitee. Die Unternehmen erhoffen sich, auf diese Art und Weise jährlich rund 60 Millionen Pfund für die Projekte des Spielerschutzes stiften zu können, in den kommenden vier Jahren sollen es immerhin bereits 100 Millionen Pfund werden.

Besonderer Fokus auf das verantwortungsvolle Spiel

Wie ein neuer Sprecher des bald vorhandenen Komitees mitteilte, solle der Fokus vor allem auf der Behandlung der Spielsucht und den Kampagnen im Bereich des verantwortungsvollen Spiels liegen. Hierzu heißt es:

“Wir haben uns dazu verpflichtet, die Behandlung von Spielsucht und Initiativen zum verantwortungsvollen Glücksspiel weiter zu finanzieren und wir glauben, dass dieses Komitee die besten Investitionsmöglichkeiten identifizieren und empfehlen wird. Wir denken, dass dies ein wichtiger Schritt in Richtung einer sicheren Glücksspiel-Umgebung ist und freuen uns darauf, die Empfehlungen noch in diesem Jahr zu prüfen und umzusetzen.“

An welche Stellen die Abgaben fließen, ist den Unternehmen ebenso wie die Höhe bislang vollkommen frei. Allerdings schlägt die britische Gambling Commission vor, mit den Abgaben das Responsible Gambling Strategy Board und die GambleAware zu unterstützen.

Baron Chadlington soll den Vorstand führen

Geführt werden soll das neue Komitee dem Vernehmen nach nicht von den Unternehmen selbst, sondern durch einen unabhängigen Vorstand. Geleitet werden soll dieser wiederum von Lord Chadlington, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Peter Gummar heißt. Chadlington ist ein bekennender Anhänger des Spielerschutzes und fordert bereits seit geraumer Zeit, dass sich die Behörden und Politiker stärker für den Schutz der Spieler einsetzen. In dieser Hinsicht dürften die Unternehmen mit Gummar also eine starke Lösung gefunden haben. Der „Baron“ selbst erklärt zur seiner Wahl:

“Ich freue mich sehr darüber, das Angebot, der Vorsitzende des Komitees zu werfen, annehmen zu können. Vor allem, weil die fünf Unternehmen so engagiert sind, neuen und angemessenen Empfehlungen zu folgen. Zu den genauen Komitee-Mitgliedern werden ich mich Mitte September äußern.“

Wie es heißt, sollen der Baron und auch die anderen Mitglieder des Komitees keinerlei finanzielle Vergütung für ihre Arbeit erhalten. Stattdessen solle jedes Geld effizient in den Schutz der Spieler gesteckt werden. Ab September dürfte dann klar sein, was genau das bedeutet. Schon jetzt zeigt sich das Komitee aber auch offen für Verbesserungen. So gab man bekannt, dass man sich keinesfalls auf die eigenen Empfehlungen versteifen wolle. Stattdessen könnten auch die Regulierungsbehörde, die Glücksspielanbieter oder Spieler mit einer persönlichen Erfahrung ihre Vorschläge einbringen, welche Projekte unterstützt werden sollen.

Die britischen Glücksspielanbieter gehen mit dem neuen Komitee also definitiv einen großen Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig steckt auch ein etwas bitterer Beigeschmack dahinter, denn es dürfte das zutreffen, was zahlreiche Insider hinter vorgehaltener Hand behaupten: Die Branche ist aktuell nur deshalb so aktiv, weil die Einführung von gesetzlichen Vorgaben zu einer Pflichtabgabe unbedingt vermieden werden soll. Ob diese Aktivität also auch anhält, wenn die Gesetzesgrundlage endgültig vom Tisch ist, darf zumindest leicht hinterfragt werden.

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Der Beitrag wurde am 7.8.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , , , , veröffentlicht.
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