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Großbritannien: Neuer Glücksspielverband geplant

Stillstand ist ein Begriff, den die britische Glücksspielbranche nicht kennt. Sorgen nicht die Unternehmen für Schlagzeilen, sind es die Behörden. So auch aktuell. Wie mitgeteilt wurde, soll ein neuer Glücksspielverband etabliert werden. Hierfür sollen die beiden bisherigen Verbände Remote Gambling Association (RGA) und Association of Britisch Bookmakers (ABB) zusammengeführt werden. Der neue Verband könnte bereits im Herbst dieses Jahres den Dienst aufnehmen und soll den Namen Betting and Gaming Council (BGC) tragen.

Mehrere Spielautomaten in einem Casino.

Das Glücksspiel ist in Großbritannien eine milliardenschwere Industrie. Die Glücksspielkommission fordert in ihrem Enforcement Report, dass sich die Branche stärker mit den Kunden und deren Schutz beschäftigt. (©Bildquelle)

Vertrauen in den Sektor soll gesteigert werden

Obwohl der britische Glücksspielmarkt in Europa als einer der fortschrittlichsten und am strengsten regulierten Märkte bezeichnet werden kann, sind die Briten mit der Branche noch nicht wirklich zufrieden. Gespielt wird viel, reguliert allerdings auch. Künftig möchte man hier einen etwas anderen Weg einschlagen und vor allem für einen besseren Austausch zwischen Politik und Branche sorgen. Als neues Sprachrohr der britischen Glücksspielindustrie soll daher der Verband Betting and Gaming Council etabliert werden. Zusammengeführt wird dieser aus den bisherigen Verbänden der RGA und ABB, welche sich unter dem neuen Namen künftig unter anderem darum kümmern, dass das Vertrauen der Verbraucher und Öffentlichkeit in die Branche verbessert wird. Beschrieben wird die Aufgabe im Wesentlichen damit, den Kunden ein sicheres und unterhaltsames Spielerlebnis in den Casinos zu bieten.

Wie ein Verbandssprecher mitteilte, sollen die Standards der Glücksspielbranche durch die Zusammenarbeit noch einmal deutlich erhöht werden. Paul Darling, der Vorsitzende der Association of British Bookmakers, erklärt:

“Ich begrüße die Gründung des Betting and Gaming Council, da dieser den Austausch über die Praktiken der gesamten Branche ermöglicht und die Innovationsmöglichkeiten für noch sicherere Spielangebote deutlich erhöhen wird.“

Bei korrektem Verhalten: Unterstützung für Lizenznehmer

Darling führte gegenüber der britischen Fachpresse aus, dass man allen Unternehmen mit einer Lizenz aus Großbritannien die Mitgliedschaft im Verband ermöglichen wolle. Die Konzerne könnten sich dann jederzeit auf die Unterstützung durch den Verband verlassen, müssten sich dabei allerdings an verschiedene Vorgaben halten. Auf diesem Wege soll gewährleistet werden, dass die bereits angesprochenen Standards von der Branche dauerhaft eingehalten werden können. Wie viele Unternehmen letztendlich genau Mitglied im Verband werden, ist noch nicht abzusehen. Darling rechnet damit, dass rund 90 Prozent der Glücksspielanbieter des Landes eine Mitgliedschaft beantragen werden. Bereits jetzt umspannt das Netzwerk der Verbände RGA und ABB rund 100 Glücksspielunternehmen. Unklar ist zudem noch, wann genau der neue Verband seine Arbeit aufnehmen wird. Geht es nach den Planern, soll dies jedoch möglichst schnell geschehen. Immerhin wurden RGA und ABB bereits zumindest theoretisch aufgelöst. Angepeilt wird bei optimalem Verlauf ein Start im Herbst dieses Jahres.

Brigid Simmonds soll die Geschicke leiten

Eine interessante Personalie kann der neue Verband bereits jetzt vorweisen. An die Spitze gesetzt wird hier Brigid Simmonds, die in den vergangenen Jahren rund um die Unterhaltungsindustrie bereits mehrfach auf sich aufmerksam machen konnte. So war Simmonds zum Beispiel lange Zeit im Hautausschuss von Sport England aktiv und hat sich dort für ein größeres Interesse an sportlichen Betätigungen eingesetzt. Ebenso war Simmonds hier auch im Lottery Panel tätig, ehe sie 2009 die Spitze der British Beer & Pub Association übernahm. Vor allem mit Blick auf die britische Glücksspielbranche ist zudem relevant, dass es sich bei Simmonds um eine Treuhänderin der Spielerschutzorganisation GambleAware handelt. Unterm Strich eine optimale und gleichzeitig folgerichtige Besetzung, die aufgrund ihrer Verdienste im Sportsektor 2006 als Offizierin des British Empire ausgezeichnet wurde. Simmonds selbst erklärte im Rahmen der Ernennung zur Führungsperson des BGC:

“Ich freue mich darauf, dem Betting and Gaming Council als erste Vorsitzende beizutreten. Die Glücksspielindustrie leistet einen enormen Beitrag zur Freizeitindustrie und zur Wirtschaft. Es gibt jedoch auch kritische Fragen, mit denen der Sektor konfrontiert wird. Deshalb werde ich sicherstellen, dass die Etablierung eines sicheren Spielumfelds die oberste Priorität genießt.“

Simmonds betont, dass es hierbei keinesfalls um Verbote von Angeboten gehe, sondern stattdessen um die Förderung einer globalen, sicheren Branche. Diese Töne kommen gut an. Positive Rückmeldung gab es zum Beispiel von John Coates, der als CEO beim Glücksspielriesen bet365 aktiv ist. Coates erklärte, dass Simmonds in der Vergangenheit bereits hervorragende Arbeit geleistet habe und die Branche definitiv vorantreiben könne. „Sie wird versuchen, gemeinsam alle Herausforderungen anzugehen, vor denen wir als Branche stehen“, so Coates.

Allgemeine Unruhe „auf der Insel“

Zeitlich gesehen dürfte die Einführung des neuen Verbandes möglicherweise nicht unbedingt ein Zufall sein. In den letzten Wochen und Monaten haben sich die kritischen Stimmen gegenüber der Branche in vielen Fällen verstärkt. Gefordert wurde vom Labour-Politiker Tom Watson zum Beispiel die Einführung eines neuen Ombudsmanns, der künftig als Verbindung zwischen Branche und Industrie tätig werden soll. Ebenfalls fordern gleich mehrere Politiker, dass vergebene Lizenzen nach 2014 ihre Gültigkeit verlieren. Die Unternehmen sollten sich stattdessen noch einmal neu für diese Lizenzen bewerben und dementsprechend auch noch einmal streng unter die Lupe genommen werden. Einführungen von strengeren Regulierungsstandards sind ebenfalls geplant.

Auswirkungen der zahlreichen regulatorischen Vorgaben sind in der Branche bereits spürbar. Der Glücksspielanbieter William Hill teilte jüngst mit, dass man zahlreiche Wettbüros im Land schließen müsse. Auch hierfür macht der Konzern die einschneidenden Regulierungsmaßnahmen der Behörden verantwortlich. Konkret geht es dabei um die sogenannten Fixed Odds Betting Terminals. Diese gelten nicht als Spielautomaten und unterlagen dadurch jahrelang deutlich relaxteren gesetzlichen Vorgaben. Mittlerweile hat sich dies geändert und Spieler können zum Beispiel statt 100 Pfund pro Runde nur noch maximal zwei Pfund pro Runde einsetzen. Für die Unternehmen ist das mit horrenden Umsatzeinbußen verbunden, die in vielen Fällen – wie jetzt bei William Hill – zu Schließungen führen.

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Der Beitrag wurde am 10.7.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , veröffentlicht.
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