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GVC: Glücksspielriese unter Druck

Der Glücksspielkonzern GVC Holdings war für die eigenen Angestellten und auch die Aktionäre in den letzten Jahren ein ewig sicherer Hafen. Die Rendite war zuverlässig, gleichzeitig wurden viele richtige Entscheidungen getroffen. Aber nicht nur. Bereits seit geraumer Zeit steht GVC-CEO Kenny Alexander in der Kritik, da trotz mindestens fragwürdiger Leistungen in den letzten Monaten satte Millionenboni ausgeschüttet wurden – ganz zum Missfallen der Aktionäre. Jetzt steht Alexander wieder im Fokus der Kritik. Und dieses Mal könnte es für den CEO richtig eng werden, denn die Problematik erstreckt sich von der Türkei aus bis in die Vereinigten Staaten von Amerika – und macht auch vor der britischen Heimat keinen Halt.

Die Stadt Istanbul vom Schiff aus betrachtet.

Trotz Verbot soll Kenny Alexander als CEO von GVC Holdings in der Türkei weiter über dubiose Partner Glücksspiele angeboten haben. Wird das der GVC in den USA jetzt zum Verhängnis? (©Pixabay)

Unangenehme Situation in der britischen Heimat

Bereits vor einigen Monaten wurde in Großbritannien festgelegt, dass die maximalen Einsätze an den sogenannten Fixed Odds Betting Terminals von 100 Pfund pro Runde auf nur noch zwei Pfund pro Runde limitiert werden sollten. Diese Forderung wurde mittlerweile umgesetzt, was für eine enorme Schieflage in der Branche gesorgt hat. Für die britischen Glücksspielkonzerne waren die kleinen und kaum regulierten Automaten ein enormer Wirtschaftszweig. Wie enorm, wird sich vermutlich in den kommenden Monaten zeigen. Dann nämlich dürften immer mehr Wettbüros der Glücksspielkonzerne ihre Türen schließen müssen. So sprach der britische Wettanbieter William Hill zum Beispiel davon, rund 700 Wettbüros im Land schließen zu müssen. Auf einem ähnlichen Weg scheint sich auch die GVC Holdings zu befinden.

Allerdings ist im Zusammenhang mit dem Glücksspielriesen nicht von 700, sondern von 900 Wettbüros die Rede. Die Folge für den Arbeitsmarkt wäre enorm. Im ganzen Land verteilt könnten mehr als 5.000 Arbeitsplätze von den Schließungen betroffen sein. In einem Statement teilte der Konzern mit:

“Derzeit gehen wir davon aus, dass als Folge der Senkung des FOBT Einsatzlimits auf zwei Pfund Sterling, die am 1. April in Kraft trat, in den kommenden zwei Jahren bis zu 900 Wettbüros von der Schließung bedroht sein könnten. Dies könnte Auswirkungen auf bis zu 5.000 Arbeitsplätze haben. Im Zuge dieses Prozesses wurde bereits eine Reihe von zu schließenden Shops festgestellt .“

Limits eigentlich ein gefundenes Fressen für die Branche?

Aktuell richtet sich der Frust der Beschäftigten wenig überraschend auf den britischen Staat und die Glücksspielregulierung. Dieses Bild könnte allerdings ins Wanken geraten. In den Augen vieler Kritiker sind es nämlich nicht die Beschränkungen an den FOBTs, die zu der Welle an Schließungen führen könnten. Vielmehr sehen diese die Rückgänge auf dem stationären Markt als Grund für die Schließungen. In der Tat lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der Trend in Großbritannien bereits seit vielen Jahren zum Online-Glücksspiel geht. Während die Online-Branche wächst, gedeiht und zuverlässig Wachstum erwirtschaftet, geht es der stationären Branche deutlich schlechter. Ganz aus der Luft gegriffen scheinen die Vorwürfe also nicht. Auch wenn sie wohl niemals belegt werden könnten.

Um die Einbußen auf dem stationären Markt in der Heimat an anderer Stelle herausholen zu können, bemüht sich die GVC bereits seit geraumer Zeit um mehr Einfluss in den USA. In diesem Zusammenhang wurde tatsächlich eine Glücksspiel-Lizenz in Nevada erhalten, die zunächst aber nur für einen Zeitraum von zwei Jahren erteilt wird. In diesem Zeitraum muss sich der Konzern beweisen – und es fängt denkbar schlecht an. Der Grund hierfür liegt in der Türkei.

Was ist in der Türkei passiert?

Im Detail berichtet die britische Sunday Times, dass sich die GVC Holdings nicht aus der Türkei zurückgezogen haben soll. Am Bosporus ist das Glücksspiel streng verboten, dennoch soll GVC aber noch bis 2017 rund ein Drittel seiner Gewinne durch das Online-Glücksspiel in der Türkei erwirtschaftet haben. Weitaus schlimmer aber: Auch im Nachhinein hat sich das Unternehmen von diesem Markt offenbar nicht zurückgezogen. Und das, obwohl an einen Rückzug von allen nicht-regulierten Märkten die Vergabe der Lizenz in Nevada gebunden worden war. Doch was genau wird dem Unternehmen vorgeworfen?

Im Fokus steht ausgerechnet CEO Kenny Alexander. Dieser verkaufte im Zuge der Übernahme von Buchmacher Ladbrokes den „türkischen Arm“ von GVC an die Dochanoris Limited. Für einen Betrag von nur rund 150 Millionen Euro. Nicht gerade viel, wenn die Türkei für ein Drittel der Online-Gewinne bei GVC gesorgt hat. Darüber hinaus beinhaltet der Vertrag aber sogar die Option, die Summe bequem in den kommenden fünf Jahren zu zahlen. Nicht unbedingt typisch und so zog der Deal schon damals die Aufmerksamkeit zahlreicher Beobachter auf sich. Einer der Besitzer der Dochanoris Limited betreibt mit Alexander zusammen ein Pferdegestüt in Schottland. Die Sunday Times berichtet daher davon, dass sich Alexander und die GVC niemals vollständig aus der Türkei zurückgezogen hätten.

Alexander wird sich erklären müssen

Vor allem für Alexander wird die Luft bei GVC ein gutes Stück dünner. Bereits in den vergangenen Wochen war der CEO aufgrund seiner Bonuszahlungen kritisiert worden, jetzt könnten die Aktivitäten einen ganzen Geschäftszwei und damit die Zukunft des Unternehmens ins Wanken bringen. Denkbar ist es zumindest in der Theorie, dass die Lizenz in Nevada von den Behörden noch einmal genauer überdacht wird. Wichtig dürfte daher in diesem Zusammenhang auch sein, wie sich Alexander in den kommenden Tagen zu den Vorwürfen der britischen Zeitung äußern wird. Das dürfte nämlich gleich mehrere Beteiligte interessieren: Die GVC, die Regulierungsbehörden und nicht zuletzt die Aktionäre. Immerhin dürften es diese gar nicht gerne sehen, wenn mögliche Zuwächse in den USA derart leichtfertig aus der Hand gegeben werden.

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Der Beitrag wurde am 16.7.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , veröffentlicht.
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