Startseite
Startseite > Magazin > GVC Holdings: Aktionäre wütend über Boni

GVC Holdings: Aktionäre wütend über Boni

Die Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr 2018 sehen bei der GVC Holdings ziemlich gut aus. Eigentlich also ein Grund zur Freude für die Aktionäre, die auf der letzten Hauptversammlung des Unternehmens allerdings alles andere als gut drauf waren. Der Grund hierfür liegt aber auch nicht unbedingt in den Geschäftszahlen für das letzte Jahr, sondern vor allem in den Bonuszahlungen für CEO Kenny Alexander. Der hatte erst im vergangenen Jahr einen Millionenbonus erhalten und räumt auch in diesem Jahr wieder kräftig ab – zu viel offenbar in den Augen vieler Aktionäre.

Screenshot der Webseite der GVC Holdings.

Die GVC Holdings ist ein echter Gigant der Glücksspielbranche und für zahlreiche renommierte Marken zuständig. Hinter der glänzenden Fassade gibt es aktuell allerdings reichlich Gesprächsbedarf. (©GVC)

42% der Aktionäre lehnten Gehaltsbericht ab

Vor wenigen Tagen fand beim Branchenriesen der GVC Holdings die jährliche Hauptversammlung statt. Im Prinzip gab es hierbei freudige Nachrichten zu vermelden, denn die Geschäftszahlen des Konzerns sehen im abgelaufenen Jahr 2018 wieder einmal richtig gut aus. Allerdings gibt es eine ganz Menge Kritik an CEO Kenny Alexander, der sich schon wieder über einen Bonus in Millionenhöhe freuen darf. Ganze 19 Millionen Pfund wird der Geschäftsführer als Bonus für das abgelaufene Jahr 2018 erhalten – zu viel in den Augen vieler Aktionäre. Immerhin 42 Prozent dieser sprachen sich gegen den Gehaltsbericht des Konzerns aus. 52 Prozent allerdings stimmten dafür und so konnte dieser letztendlich verabschiedet werden. Schon im Vorfeld der Hauptversammlung hatte es allerdings heftige Gegenstimmen gegen die Bonuszahlung an Alexander gegeben.

Dieser reagierte im Vorfeld auf die Kritik dadurch, dass er sein Gehalt um rund 18 Prozent herunterschrauben ließ. Statt der ihm eigentlich zustehenden 950.000 Pfund wird der Boss künftig also „nur“ rund 800.000 Pfund im Jahr verdienen. Wirklich zufriedengestellt werden konnten die Aktionäre hierdurch allerdings nicht. Und die Gründe für die Kritik sind in der jüngeren Vergangenheit zu finden. Viele Aktionäre werfen Alexander vor, nicht immer im Sinne des Unternehmens gehandelt zu haben.

Boss verkaufte Aktienpakete

Grundsätzlich steht Alexander die aktuelle Prämie vertraglich zu, da die GVC den Buchmacher bwin im Jahre 2015 erfolgreich übernehmen konnte. Dass die Prämie gezahlt wird, ist offenbar auch nicht wirklich ein Dorn im Auge der Aktionäre, sondern die Tatsache, dass es sich wieder um eine derart hohe Prämienzahlung handelt. Bereits ein Jahr zuvor konnte sich Alexander gemeinsam mit einem anderen Top-Manager des Konzerns über einen Bonus in Höhe von rund 67 Millionen Pfund freuen. Allein ein Aktienpaket für Alexander soll einen Wert von rund 45 Millionen Pfund gehabt haben. Und genau das wurde im weiteren Verlauf zum Problem. Erst einmal sorgte bei vielen Aktionären der Wert des Aktienpakets für Unmut, gleichzeitig aber auch das Verhalten des Chefs. Dieser behielt nämlich nicht alle Aktien, sondern entschied sich für einen Verkauf von Anteilen im Wert von rund 20 Millionen Pfund. Zum einen kein gutes Signal an die Aktionäre, zum anderen hatte dieser großflächige Verkauf aber auch eine direkte Folge auf den Börsenkurs und so brach dieser zwischenzeitlich um bis zu 25 Prozent ein.

Von einem unternehmensförderlichen Verhalten kann hier also tatsächlich nicht unbedingt die Rede sein, auch wenn die Börsenkurse mittlerweile wieder angezogen haben. Dennoch steht die Aktie allerdings nicht auf dem Niveau vom Zeitpunkt vor dem Verkauf. Dass der Chef jetzt auch noch einen Bonus in fast gleicher Höhe einstreicht, können viele Anleger nicht nachvollziehen.

GVC reagierte bereits

Deutliche Worte fand zum Beispiel der Anleger Richard Buxton, der mit dem Unternehmen Merian Global Investors einen nicht unwesentlichen Anteil an Unternehmensaktien der GVC hält. Dieser erklärte, dass es von größter Bedeutung sei, dass die Bonuszahlungen das Management erst dann wieder für eine gute Leistung belohnen, wenn das Vertrauen zurückgewonnen werden konnte, welches im letzten Jahr verspielt wurde. Da selbstverständlich auch der Glücksspielriese künftige Streitigkeiten mit seinen Aktionären vermeiden möchte, hat das Unternehmen allerdings bereits zügig reagiert und teilte mit, dass man im geschäftlichen Regelwerk vom Jahr 2019 an ein signifikant niedrigeres Bonusniveau festlegen werde. Heißt: Bonuszahlungen im bisherigen Umfang wird es dann nicht mehr geben. Wie die Aktionäre auf diese Änderung reagieren, ist bislang noch nicht bekannt.

Gut für Alexander und die GVC ist in diesem Zusammenhang aber, dass immerhin auch die Geschäftszahlen für das Jahr 2018 stimmen. So konnte der Konzern seinen Gewinn im Vergleich zu 2017 um ganze neun Prozent steigern und liegt aktuell bei einer Summe von rund 3,6 Milliarden Pfund. Besonders große Zuwächse verzeichnete dabei das Online-Gaming, in welchem die GVC einen Wachstumsschub von 19 Prozent vermelden kann. Problematisch wird es allerdings auf dem stationären Markt in der Heimat. Die britische Gambling Commission hat jüngst ein Gesetz verabschiedet, welches das Spielen an den sogenannten Fixed Odds Betting Terminals einschränkt. Bislang konnten die Spieler hier bis zu 100 Pfund pro Runde einsetzen, künftig sollen nur noch maximal zwei Pfund pro Runde möglich sein. Der GVC stehen Umsatzeinbußen in Millionenhöhe bevor, gleichzeitig müssen zahlreiche Wettshops des Konzerns schließen. Das missfällt den Anlegern natürlich, gleichzeitig hat der Konzern bisher aber auch noch keine Alternative präsentiert, mit welcher man die Einbußen beim Umsatz wettmachen möchte.

Große Hoffnungen in Las Vegas und den USA

Eine mögliche Lösung sucht der Glücksspielriese aktuell ganz offenbar in den USA. Hier wurde vor wenigen Monaten das Glücksspielgesetz deutlich gelockert und die GVC Holdings konnte vor wenigen Tagen den Erhalt einer Glücksspiel-Lizenz aus dem Bundestaats Nevada vermelden. Diese gilt zwar erst einmal nur für zwei Jahre, bedeutet für den britischen Aktienkonzern aber dennoch einen wichtigen Schritt zurück auf den US-amerikanischen Markt. Hier war man bereits einmal mit der Marke partypoker aktiv, musste sich damals aufgrund des Unlawful Internet Gambling Enforcement Acts aber wieder vom Markt zurückziehen. Gerüchte besagen, dass man bei partypoker schon seit einigen Wochen in den Startlöchern steht und sich auf eine Rückkehr vorbereitet.

In Verbindung steht die Vergabe der Lizenz aus Nevada allerdings vor allem mit der Partnerschaft mit dem US-Unternehmen der MGM Resorts. Beide Konzerne zusammen haben ein Paket von rund 200 Millionen US-Dollar geschnürt und hiermit das Unternehmen „Roar Digital“ ins Leben gerufen. Künftig möchte man mit diesem nicht weniger, als den Sportwettenmarkt in den USA zu dominieren. Sollte dieser Plan aufgehen, könnten hier also die Umsatzeinbußen aus den Fixed Odds Betting Terminals wieder ausgeglichen werden – ein Plan, der auch den angespannten Aktionären gefallen dürfte.

5.0
Bewerte diesen Inhalt:
1 vote
Der Beitrag wurde am 11.6.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , veröffentlicht.
Folge Uns:---