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GVC Holdings: Werbestopp in Großbritannien

Was für ein überraschender Schritt! Bereits seit mehreren Wochen wird in Großbritannien darüber diskutiert, ob die Glücksspielbranche möglicherweise mit einem Werbeverbot belegt wird. Die Anbieter wurden bereits von der Politik dazu aufgefordert, eigene Rahmenbedingungen aufzustellen, die als tragbar und angemessen bezeichnet werden können. Sollte dies nicht geschehen, droht ein staatlicher Eingriff – und der dürfte für die Branche weitaus schwerer zu verkraften sein. Ein Umstand, den man beim Glückspielriesen der GVC Holdings offenbar nicht erleben möchte und so gab das Unternehmen bekannt, seine Werbemaßnahmen künftig massiv einzudämmen und nahezu zu stoppen.

Rennpferde auf einer Rennbahn

Der Glücksspielriese GVC Holdings plant in Großbritannien einen Werbestopp rund um die Übertragung von Sportveranstaltungen. Die einzige Ausnahme sollen die Pferderennen bleiben.

Pferderennen sollen die Ausnahme bleiben

In Großbritannien sorgt die GVC Holdings momentan für kräftige Diskussionen. Der Unternehmensriese hat sich nämlich zu einem weitreichenden Schritt entschlossen und angekündigt, dass man künftig auf Werbemaßnahmen im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen verzichten wolle. Die einzige Ausnahme sollen demnach die Pferderennen bleiben, vor, während und nach denen weiterhin geworben werden soll. Wie die GVC Holdings mitteilte, habe man sich vor allem aus Gründen des Spielerschutzes zu diesem Schritt entschlossen. Daher soll der Werbestopp auch unabhängig von möglichen Sportarten oder Tageszeiten gelten. Zeitlich stößt der Glücksspielriese damit genau in eine passende Diskussion in der Politik, in der über ein partielles oder sogar komplettes Werbeverbot gesprochen wird. Vor allem Jugendliche und Kinder sollen besser geschützt werden, weshalb Glücksspielwerbung dann nur noch ab einer bestimmten Uhrzeit ausgestrahlt werden dürfte – diesem Schritt kommt die GVC Holdings jetzt zuvor.

Wie der Konzern ebenfalls mitteilte, soll es beim Zurückschrauben der Werbung aber nicht bleiben. Stattdessen sollen künftig auch Möglichkeiten für Aufklärungs-Spots vorhanden sein, mit denen die Spieler über mögliche Gefahren bei Sportwetten und Online-Glücksspielen aufgeklärt werden. Der GVC-Geschäftsführer Kenny äußerte sich hierzu in einem Statement, in dem er gleichzeitig auch andere führende Unternehmen der Branche dazu aufforderte, dem Beispiel der GVC Holdings zu folgen:

“Obwohl der Großteil unserer Kunden verantwortungsbewusst spielt, ist es höchste Zeit, dass die Branche mehr dafür tut, um die Kunden vor potenziellen Schäden zu bewahren. Als das größte Glücksspielunternehmen in Großbritannien und Eigentümer von Ladbrokes und Coral tut GVC genau das. Ich fordere andere führende Anbieter auf, uns dabei zu helfen, die Ausstrahlung der TV-Werbung für Sportwetten zu jeder Tageszeit zu beenden.“

Bei der Fernsehwerbung soll es nicht bleiben

Obwohl die GVC Holdings mit diesem Schritt bereits weit über den freiwilligen Beschränkungen der Branche liegt, könnten die Einbußen bei der Fernsehwerbung nicht der einzige Aspekt bleiben, an dem künftig etwas geändert werden soll. So brachte Alexander zum Beispiel auch einen Werbestopp auf den Trikots der Sportvereine in Spiel. Auf diese Art und Weise könne man verhindern, dass unweigerlich eine Verbindung zwischen den Sportveranstaltungen und den Glücksspielunternehmen hergestellt werde. Mit einbezogen werden könnten demnach offenbar auch die Bandenwerbungen, auf welche die GVC wohl ebenfalls verzichten könnte. Ob das die anderen Unternehmen auf dem Markt genauso sehen, ist allerdings mehr als fraglich. Immerhin ist die Konkurrenz gerade in Großbritannien enorm groß und so wird das Marketing von den Unternehmen gerne dafür genutzt, um auch bei so vielen Mitbewerbern auf sich aufmerksam zu machen. Das wiederum hat in den letzten Monaten und Jahren dazu geführt, dass immer mehr Glücksspielwerbung ausgestrahlt wurde – und sich Teile der Bevölkerung darüber sogar beschwerten. 2017 wurde daher schon einmal ein Verbot für Glücksspielwerbung in Fußballstadien besprochen – also genau das, was sich die GVC mittlerweile ebenfalls vorstellen könnte.

Ohnehin ist der britische Aktienkonzern aber in Sachen Spielerschutz in der jungen Vergangenheit enorm aktiv. Bereits Anfang des Jahres wurde so die Initiative „Changing for the Bettor“ ins Leben gerufen, mit welcher der Konzern künftig noch mehr für den Spielerschutz tun möchte. So sollen Problemspieler zum Beispiel kostenlosen Zugriff auf die Sperrsoftware GamBan bekommen, mit der sie sich dann den Werbemaßnahmen der Glücksspielunternehmen entziehen können. Zusätzlich dazu sollen Ursachen und Maßnahmen der Spielsucht erforscht und die Spieler besser aufgeklärt werden. Den finanziellen Aufwand hierfür möchte der Konzern laut eigener Aussage durch eine höhere Rücklage für diese Projekte stemmen. So sollen statt bisher 0,10 Prozent des Umsatzes künftig 1,0 Prozent des Umsatzes in den Spielerschutz investiert werden. Bis 2022, also in den kommenden drei Jahren, möchte das Unternehmen diese Zahlen erreichen. Alexander erklärte hierzu bei der Bekanntgabe:

“Die Branche kann und sollte mehr für den Spielerschutz tun.“

Werbeverbote kommen in Mode

Der britische Glücksspielmarkt ist allerdings aktuell längst nicht der einzige Markt, der sich den Diskussionen rund um mögliche Werbeverbote beschäftigen muss. Auch in Schweden gibt es aktuell heftige Diskussionen zwischen den Glücksspielunternehmen und der Politik. Der Glücksspielmarkt in Schweden wurde erst Anfang des Jahres geöffnet, dementsprechend stark sind hier die Aktivitäten der Glücksspielunternehmen. Diese sind vor allem damit beschäftigt, den staatlichen Anbieter SvenskaSpel in den Hintergrund zu rücken, der mittlerweile auch erkannt hat, dass er beim finanziellen Tempo der privaten Unternehmen nicht mithalten kann. Die Folge: Auch in Skandinavien ist immer mehr Glücksspielwerbung privater Unternehmen zu sehen. SvenskaSpel kündigte in diesem Zusammenhang an, künftig ganz auf Werbemaßnahmen verzichten zu wollen – zumindest bis zum Ende des Jahres. Gleichzeitig rief man auch hier die Mitbewerber dazu auf, es ähnlich zu tun.

Die privaten Glücksspielunternehmen zeigten sich allerdings nicht sonderlich begeistert und ließen eine gesetzte Deadline der Politik bis zum 31. März verstreichen. Bis zu diesem Tag sollte eigentlich ein Konzept vorgelegt werden, mit dem die Branche ihre Werbeaktivitäten eigenständig eindämmt. Das wiederum ist nicht erfolgt und so erklärte Ardalan Shekarabi als Minister für die öffentliche Verwaltung, dass man eine Sonderkommission mit weitreichenden Möglichkeiten ins Leben rufen wolle:

“Der Staat muss jetzt Maßnahmen ergreifen, um ein strengeres Regelwerk in Bezug auf Glücksspielwerbung zu schaffen. Wir befinden uns in einer problematischen Situation, in der Konsumenten überall mit Glücksspielwerbung konfrontiert werden. Das kann so nicht bleiben, denn nicht nur die Werbeinhalte, sondern auch die Zielrichtung sind problematisch. Die ermittelnde Kommission erhält daher die Möglichkeit, ein totales Werbeverbot vorzuschlagen.“

Auf positives Feedback kann sich der Minister zumindest aktuell allerdings nicht verlassen. Stattdessen formierten sich gleich mehrere Glücksspielunternehmen und erklärten, dass durch ein Werbeverbot vor allem der staatliche Anbieter SvenskaSpel bevorzugt werden würde. Immerhin sei dieser schon seit vielen Jahren aktiv und hätte sich dementsprechend bereits einen breiten Kundenkreis aufbauen können. Die privaten Unternehmen wiederum würden so in ihrer Wettbewerbsfähigkeit deutlich begrenzt werden. Es dürfte also sicher sein, dass in dieser Diskussion noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

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Der Beitrag wurde am 2.5.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , veröffentlicht.
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