Startseite
Startseite > Magazin > Irland: Regierung plant höhere Einsätze

Irland: Regierung plant höhere Einsätze

Aus Irland kommen in diesen Tagen erfreuliche Meldungen aus der Glücksspielbranche bzw. der Politik. Während das landbasierte Spiel an den Automaten in den meisten Ländern eingeschränkt und stärker reguliert wird, entscheidet man sich in Irland künftig offenbar für einen anderen Weg. Hier soll das mehr als 60 Jahre alte Glücksspielgesetz überarbeitet werden und so unter anderem einen höheren Maximaleinsatz an den Spielautomaten gestatten. Spielerschützer sind von diesen Plänen allerdings wenig begeistert.

Fünf Spielautomaten aufgereiht in einem Casino.

Während das Glücksspiel in den meisten Ländern eingedämmt wird, möchte das irische Justizministerium künftig größere Einsatzmöglichkeiten an den Spielautomaten gewähren. (©pixabay)

Gaming and Lottery Act in Irland soll überarbeitet werden

In Irland ist das Glücksspiel seit vielen Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Gut erkennbar ist dies zum Beispiel am Alter des Glücksspielgesetzes. 1956 wurde der Gaming and Lottery Act verabschiedet, welcher das Glücksspiel und seine Rahmenbedingungen im Land klar regelt. Das Problem liegt in vielerlei Hinsicht also auf der Hand: 1956 etwa waren die Online Casinos oder digitalen Angebote noch nicht einmal vorstellbar. Abgedeckt werden die digitalen Glücksspiele von diesem Gesetz daher nicht. Darüber hinaus regelt der Act aber zum Beispiel auch die Einsätze und Limits an den Spielautomaten. Pro Runde dürfen Spieler so maximal 0,03 Euro einsetzen, maximal können pro Runde 0,50 Euro ausgezahlt werden. Keine Frage: Auf diesem Niveau soll das Automatenspiel lediglich der lockeren Unterhaltung dienen.

Schon in naher Zukunft allerdings könnte sich das jetzt ändern. Der irische Justizminister Charlie Flanagan teilte erst in dieser Woche im Rahmen einer Parlamentssitzung mit, dass man die Einsätze an den Automaten erhöhen wolle. Künftig sollen Einsätze bis zu fünf Euro möglich sein, gleichzeitig soll das Auszahlungslimit auf 500 Euro angehoben werden. Kurios: Die Parlamentarier stimmten so gegen eine noch größere Erhöhung. Eigentlich war bereits im Sommer eine Debatte darüber geführt worden, die Einsätze auf bis zu zehn Euro zu erhöhen. Die Auszahlungen hätten dann auf 750 Euro angehoben werden sollen. Dieser Schritt war der Politik dann aber offenbar doch etwas zu heftig.

Spielerschützer kritisieren Entscheidung

Obwohl man sich also letztendlich gegen die ganz große Einsatzerhöhung und sogar für eine Anhebung des Mindestalters (von 16 auf 18 Jahren) entscheidet, hagelt es Kritik an den Plänen des Justizministers. Barry Grant, der Vorsitzende der Organisation Problem Gambling, erklärt zum Beispiel, dass die Regierung mit ihren aktuellen Aussagen noch wesentlich zu ungenau sei. Spieler könnten heute mit bis zu 50 Gewinnlinien an einem Automaten spielen. Es sei daher unbedingt noch zu klären, ob der maximale Einsatz für ein ganzes Gerät oder für eine Gewinnlinie gelten solle. Sei Letzteres der Fall, mahnt Grant, könnten Spieler bis zu 250 Euro in einer einzigen Spielrunde einsetzen. Der Suchtexperte hierzu:

“Mein Gefühl hierzu ist, dass das Justizministerium bei der Entwicklung hinterherhinkt, dass sie an Spielautomaten im altmodischen Sinne denken, wie zum Beispiel einen Einarmigen Banditen, bei denen man am Automaten zieht und seinen Gewinn erhält. Aber die Automaten haben sich weiterentwickelt. Sie haben einen Bildschirm vor sich und bis zu 50 verschiedenen Linien, auf denen man gewinnen kann. Wenn jede Linie als Einzelwette zählt, können Sie alle sechs Sekunden bis zu 250 Euro setzen. Das ist ein großer Unterschied.“

Abgesehen von diesem Punkt bemängeln die Spielerschützer zudem schon seit geraumer Zeit, dass die Identitätsprüfungen der Casinos zu spät umgesetzt werden würden. So müssten diese zum Beispiel online die Identität der Spieler erst nach 72 Stunden prüfen und dann sicherstellen, dass die Person auch zur Spielteilnahme berechtigt ist. Ist dem nicht so, wird das Konto zwar gesperrt. Dennoch können Kunden in diesen 72 Stunden bereits viel Geld verlieren, so die Spielerschützer. Sie fordern daher, dass die Zeitspanne bis zur Identitätsprüfung deutlich verkürzt wird. Ob dies so kommen wird, ist bisher noch unklar. Fest steht, dass die Justiz offenbar weitreichende Änderungen im Glücksspielgesetz plant. Gegenüber den Medien teilte ein Sprecher mit, dass der Gesetzesentwurf schon bald debattiert werden soll. Man gehe davon aus, dass man das neue Gesetz dann noch vor Juli 2020 verabschieden könne.

Die Iren und das Glücksspiel

Dass die Spielsuchtexperten derart Alarm schlagen, hat natürlich seine Gründe. Wie unschwer am Alter des Gesetzes erkennbar ist, hat das Glücksspiel in Irland einen festen Platz in der Gesellschaft. Allerdings entwickelt sich das Spielverhalten einiger Iren in den letzten Jahren zu einem größeren Problem. 2011 etwa vermeldete der irische Gesundheitsdienst noch rund 181 Problemspieler, die sich in jenem Jahr haben behandeln lassen. Anschließend sei diese Anzahl stetig gestiegen, ehe 2018 nach einem erneuten Zuwachs von 17,4 Prozent gegenüber 2017 mit 257 Problemspielern ein Rekordstand erreicht wurde.

Dass nun auch noch die strengen Regulierungen für die Spielautomaten aufgeweicht werden sollen, scheint vielen Kritikern da nicht das richtige Signal zu sein. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auch darauf verwiesen, dass man für Glücksspielsüchtige offenbar keine ausreichende Gesundheitsbetreuung zur Verfügung stellen würde. Beide Aspekte zusammen könnten laut den Suchtexperten in den kommenden Jahren zu einem großen und komplexen Problem werden.

Ganz anderer Weg im Nachbarland Großbritannien

Ohnehin kommt der Schritt der irischen Justiz ein wenig überraschend. Ist die Politik in den letzten Monaten regulierend eingeschritten, war dies in der Regel immer zum Nachteil der Branche. Im Nachbarland Großbritannien etwa wurde erst vor einigen Monaten genau die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen. Seit dem 1. April 2019 gilt hier ein neues Gesetz, welches von der britischen Gambling Commission vorangetrieben wurde. Dieses beschränkt die maximalen Einsätze an den sogenannten Fixed Odds Betting Terminals auf eine Summe von maximal zwei Pfund pro Runde. Bis zum April konnten Spieler hier noch bis zu 100 Pfund pro Runde einsetzen.

Während Verbraucherschützer diese Gesetzesänderung in Großbritannien begrüßen, klagt die Branche über horrende Umsatzeinbußen. Rund 30 Prozent weniger Umsatz beklagen die Unternehmen, welche jüngst aufgrund der Reform auch bereits zahlreiche Wettbüros im Land schließen mussten. Aber: Die Branche kündigte zudem auch an, den Schutz der Spieler künftig noch intensiver umsetzen zu wollen. So wurde offenbar ein neues System für die FOBTs ins Leben gerufen, mit denen das Spielverhalten der Kunden analysiert wird und diese dann zum Beispiel zu Zwangspausen gedrängt werden.

Zu den besten Online Casinos
Der Beitrag wurde am 3.12.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , veröffentlicht.
News teilen: