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Macau: Experten sehen Rekordverlust

Während das Glücksspiel in China von der Regierung streng eingeschränkt wird, blüht dieses bekanntlich in der Sonderverwaltungszone Macau. In den letzten Jahrzehnten war die Entwicklung hier enorm, mühelos wurde mit Blick auf die Umsätze zum Spiel auch der Konkurrent aus Las Vegas überholt. Doch mittlerweile sieht es nicht mehr ganz so rosig in Asiens Spielerparadies aus. Die politische Lage drückt offenbar die Spielfreude – insbesondere der Highroller. Nachdem im August schon ein sattes Minus verbucht wurde, scheint der November jetzt erneut einen Negativrekord aufzustellen. Ist die Spielerstadt möglicherweise bald am Ende?

Die Sonderzone Macau aufgenommen bei Nacht.

Bereits der August war in Macau ein enorm schwacher Monat. Der November dürfte diesen laut Analysten aber in negativer Hinsicht noch einmal überboten haben. Geht das Spielerparadies langsam unter?. (©pixabay)

Analysten sehen Branche auf Krise zusteuern

Bereits im August dieses Jahres war die Stimmung in Macau niedergeschlagen. Während es in den letzten Jahren mit zunehmenden Umsätzen stetig nach vorne ging, sieht sich die Branche aktuell mit ganz neuen Problemen konfrontiert. So wurde laut Analysten im August 2019 zum Beispiel ein Negativwachstum von 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbucht. Ein rabenschwarzer Monat für Macau, der jetzt aber offenbar noch einmal überboten wird. Wie das Analysten-Haus von Instinet errechnet, dürften die Casinos in Macau im November einen Umsatz von rund 23 Milliarden Macau-Pataca verbuchen. Das entspricht umgerechnet etwa 2,3 Milliarden Euro.

Was nach einer Menge Geld klingt, wäre für die Casinos letztendlich enorm enttäuschend. Im Vorjahreszeitraum lag dieser nämlich noch bei ganzen neun Prozent mehr. Grund genug also, um sich Sorgen machen zu können? Bedingt. Immerhin lässt sich relativ schnell herausfinden, worin die Gründe für den abnehmenden Umsatz liegen.

Highroller lassen weniger Geld in der Sonderzone

Den größten Ausschlag auf das Ergebnis hat den Analysten zufolge der Rückgang bei den Highrollern. Dieser sei sogar so groß, dass das Loch durch die zunehmenden Masseneinsätze nicht gestopft werden kann. Heißt: Die „normalen“ Spieler setzen in Macau mittlerweile zwar kräftiger ein als noch vor ein paar Jahren. Dennoch können diese nicht den Verlust ausgleichen, den die Casinos durch die geringeren Einsätze der Highroller erleiden. Eine krude Situation, die gleichzeitig aufzeigt, wie sehr die Casinos von ihren Topspielern abhängig sind. Konkret heißt es hierzu von den Instinet-Analysten, dass man von einer Zunahme der täglichen Masseneinsätze von rund fünf bis sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr ausgehe. Die VIP-Spieler allerdings hätten ihr Volumen demnach um rund 30 bis 32 Prozent zurückgeschraubt.

Das allerdings sei nur einer von mehreren Gründen. Tatsächlich befindet sich die Branche derzeit in einer extrem schweren Lage. Der Druck auf den Markt erhöht sich an gleich mehreren Stellen. So kämpft die chinesische Wirtschaft mit einer angespannten Situation, welche nicht zuletzt durch den Handelsstreit mit den USA begünstigt wird. Darüber hinaus hält die Schwäche der Währung Renminbi an, gleichzeitig wurde erst im Jahr 2019 ein Rauchverbot in den VIP-Räumen Macaus verabschiedet. Seit 2013 schon durfte in den öffentlichen Bereichen nicht mehr geraucht werden, jetzt sind auch die VIP-Spielräume Nichtraucher-Zonen. Ein Umstand, der die Spielfreude der Highroller nur bedingt erhöhen wird.

Branche glaubt an eigene Stärken – und die Politik

Weitaus schwerwiegender sind allerdings die Folgen aufgrund der politischen Unruhen zwischen den USA und den Vereinigten Staaten. Beide Nationen streiten sich aktuell über Importzölle für Einfuhrwaren und stellen so die jeweils andere Wirtschaft enorm auf die Probe. Das sei ein Grund dafür, dass die Highroller derzeit ihr Geld nicht unbedingt den Casinos in Macau anvertrauen würden. Man überlege es sich momentan lieber zwei Mal, eine große Summe auf das Konto eines Casinos zu überweisen. Vor ein paar Jahren sah das noch anders aus. Insbesondere US-Unternehmen beobachten die Entwicklungen rund um die politische Lage mit großer Spannung. Schon längst ist klar, dass diese zu einem Spielball im politischen Duell werden können. Immerhin sind mehrere US-Glücksspielriesen in Macau aktiv. Die Lizenzen hierfür laufen jedoch in den nächsten Monaten aus. Ein Druckmittel, welches die chinesische Regierung sicherlich einzusetzen weiß.

Dennoch gehen Experten davon aus, dass auch die Regierung in Peking an einer Lösung des Problems interessiert ist. Das erwarten auch die Glücksspielunternehmen in Macau. So erklärte Ho Yau Lung als CEO und Vorsitzender des Glücksspielkonzerns Melco Resorts & Entertainment gegenüber dem US-Nachrichtensender CNBC, dass man die Lage in der Politik derzeit gespannt verfolge. Die Situation rund um die Highroller-Umsätze sei zwar bedenklich, man rechne aber damit, dass die Regierungen ihre Differenzen aus dem Weg räumen können – und das dann auch wieder die Highroller zu größeren Einsätzen bereit sein werden. Die Lage werde sich demnach vermutlich im nächsten Jahr entspannen, so Lung.

Straftaten mit Glücksspielbezug nehmen zu

Während auf der einen Seite die Entwicklungen der Glücksspielbranche in Macau für schlaflose Nächte sorgen, haben die Polizeibehörden und Sicherheitskräfte mit ganz anderen Problemen zu tun. Anfang der Woche präsentierte der Sicherheitsminister Wong Sio Chak die aktuelle Kriminalstatistik, in der ein Anstieg zu erkennen ist. So hätten zum Beispiel die Straftaten mit einem Bezug zum Glücksspiel um fast 20 Prozent zugenommen. Die Anzahl der Festnahmen im Zusammenhang mit dem Glücksspiel wurden demnach um mehr als 25 Prozent erhöht. Als Ursache hierfür gilt allerdings weniger eine tatsächliche Zunahme der Straftaten, sondern viel mehr eine verbesserte Aufklärung auf Seiten der Behörden. Die Anzahl der Sicherheitskräfte in der Sonderzone wurde zum Beispiel deutlich erhöht. Ab 2020 möchte man dann noch einen Schritt weitergehen. Ab dem 1. Quartal kommt ein Kamerasystem zum Einsatz, welches öffentliche Plätze in der Sonderzone mit rund 800 Kameras überwachen wird.

Rund um die eigene Sicherheit müssen sich die Spieler ab dem kommenden Jahr dann wohl noch weniger Sorgen machen als bisher. Allerdings wird das ziemlich sicher nicht ausreichen, um die Highroller wieder zurück an die Spieltische zu holen. Hier liegt der Schlüssel für die Lösung des Problems vor allem in einer politischen Übereinkunft.

Der Beitrag wurde am 5.12.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , veröffentlicht.
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