Startseite
Startseite > Magazin > Novomatic droht Korruptionsaffäre

Novomatic droht Korruptionsaffäre

In den letzten Jahren kannte der österreichische Glücksspiel-Konzern Novomatic nur eine Richtung: Nach vorne. Jahr für Jahr entwickelte sich das Unternehmen mehr und mehr zum Aushängeschild der österreichischen Wirtschaft und war zum Beispiel das erste Unternehmen des Landes, welches in Australien ein Unternehmen übernehmen konnte. Jetzt allerdings bröckelt die schillernde Fassade des Milliardenkonzerns ein wenig – und das ausgerechnet in der Heimat. Verschiedene Medien berichten von einer Korruptionsaffäre und erheben durchaus harte Vorwürfe gegen Verantwortlich von Novomatic und verschiedene Politiker.

Webseite des Unternehmens Novomatic.

Hat der Glücksspiel-Gigant Novomatic hohe Posten für Vorzüge in der Lizenzvergabe vergeben? (©Bildquelle)

Mehrere Durchsuchungen von Wohn- und Geschäftsräumen

In Österreich schaut die Glücksspielbranche derzeit gespannt auf die Politik und den Konzern Novomatic. Der Grund: Verschiedene Medien des Landes berichteten in den letzten Tagen von schweren Vorwürfen gegen den Konzern und verschiedene Politiker der FPÖ. Im Zuge dazugehöriger Ermittlungen ist es in der vergangenen Woche offenbar zu mehreren Razzien gekommen, von denen auch der österreichische Glücksspielriese betroffen sein soll. Konkret geht es dabei offenbar um die Vergabe von hochrangigen Posten an FPÖ-Politiker und einer damit einhergehenden „bevorzugten Behandlung“ bei Lizenzfragen und regulatorischen Dingen. Eine Sprecherin der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft erklärte gegenüber den österreichischen Medien:

“Es geht um den Verdacht, dass zwischen Verantwortlichen eines Glücksspielunternehmens und Amtsträgern der Republik Österreich im Gegenzug für die Bestellung eines bestimmten Kandidaten einer Aktiengesellschaft die parteiische Vergabe von Glücksspiellizenzen vereinbart wurde und eine wohlwollende Unterstützung bei regulatorischen Glücksspielbelangen zugesagt wurde.“

Wie die österreichischen Medien wissen, handelt es sich hierbei offenbar um die Vergabe des Postens als Finanzchef der Casinos Austria AG. Deren Finanzchef Peter Sidlo ist FPÖ-Politiker und war laut Medienberichten offenbar nur einer von mehreren möglichen Kandidaten. Was demnach verwundern soll: Es wurde ein eigener Personalberater eingesetzt, der die möglichen Kandidaten genauer geprüft hat. Dieser soll laut Medienberichten eine klares Veto gegen Sidlo vorgelegt haben. Trotzdem fiel die Entscheidung am Ende auf den FPÖ-Mann.

Die große Frage: Wer hat was gesagt?

Für die Vergabe des hochkarätigen Postens innerhalb der Aktiengesellschaft soll man bei der FPÖ dem Konzern offenbar einige Vorteile in Aussicht gestellt haben. So berichten die Medien zum Beispiel davon, dass der spätere stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gudenus dem Unternehmen zugesichert haben soll, Lizenzen für das sogenannte kleine Spiel auch außerhalb der Spielbanken in Wien zu vergeben. Ebenso berichten die österreichischen Medien von einer in Aussicht gestellten Erlaubnis für den Betrieb eines Online Casinos und die Lizenz für den Betrieb eines weiteren stationären Casinos in Wien. Gudenus ist gleichzeitig auch jener Politiker, der gemeinsam mit Partei-Kollege Strache bereits vor einigen Monaten in den Fokus der Öffentlichkeit geriet.

Beide Politiker wurden heimlich dabei gefilmt, wie sie offenbar auf Ibiza Staatsaufträge im Gegenzug für Spendengelder an eine vermeintlich russische Oligarchennichte vergeben wollen. Die sogenannte „Ibiza-Affäre“ löste in Österreich daraufhin eine echte Staatsaffäre aus, die zum Zusammenbruch der Regierungskoalition geführt hat. Noch im kommenden Monat soll das Parlament daher neu gewählt werden.

Auch beim Treffen der beiden FPÖ-Politiker mit der vermeintlichen Spenderin spielt der Glücksspiel-Konzern Novomatic eine Rolle. So erklärte Strache damals vor laufenden Kameras, das Novomatic „an alle zahle“. Gemeint waren damit ganz offensichtlich Spendengelder an verschiedene politische Parteien, was gleichzeitig die Diskussionen rund um mögliche Zuwendungen für den Glücksspielriesen eröffnete.

Novomatic weist Vorwürfe von sich

Es ist nicht überraschend, dass sich Novomatic nach Bekanntwerden der Vorwürfe nicht allzu lange Zeit gelassen hat, um auf diese zu reagieren. Der Konzern veröffentlichte ein Statement, in welchem er die Vorwürfe von sich wies. Zum einen wurde darauf hingewiesen, dass man lediglich über zwei der insgesamt 18 Sitze im Aufsichtsrat der Casinos Austria AG verfüge. Dem Konzern sei es demnach nicht möglich, über eine Besetzung des Vorstandes allein zu bestimmen. Ebenfalls angesprochen werden auch die vermeintlichen Treffen von Vertretern des Glücksspielriesen mit Vertretern der FPÖ.

Mit Blick auf mögliche Lizenzen oder den künftigen Umgang mit dem kleinen Glücksspiel in Wien habe es diese Treffen jedoch nicht gegeben. Auch hier erklärt der Konzern, dass Politiker im Vorfeld von Wahlen natürlich keinerlei derartige Zusagen geben könnten und die Vorwürfe schon deshalb haltlos wären. Ohnehin wäre es nicht möglich, bei der Lizenzvergabe an irgendwelche Vorteile zu kommen. Stattdessen würden die Lizenzen in Österreich nur im Rahmen einer „internationalen, transparenten und öffentlichen Ausschreibung“ vergeben werden.

FPÖ-Mann wittert politischen Angriff

Trotz des Statements dürften die kommenden Tage, Wochen und wohl auch Monate für den Glücksspielriesen mindestens unangenehm werden. Immerhin wird sich die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen vom Statement kaum beeindrucken lassen. Zusätzlich dazu scheint auch Heinz-Christian Strache mit den gegen ihn laufenden Ermittlungen unzufrieden zu sein. Dieser erklärte, dass es sich bei den Korruptionsvorwürfen um einen weiteren politischen Angriff handele, mit dem der Politiker ins Aus gestellt werden solle. Ob sich die Staatsanwaltschaft hiervon beeindrucken lassen wird, ist ebenfalls fraglich – Tendenz eher nein.

Für die ermittelnden Behörden jedenfalls beginnen nun erst einmal ereignisreiche und anstrengende Zeiten. Es dürften unzählige Dokumente ausgewertet und analysiert werden müssen. Zusätzlich dazu werden noch immer mögliche Beweise zusammengetragen. Sollten sich die Vorwürfe gegen die Politiker und den Glücksspielriesen als wahr herausstellen, droht jedenfalls noch ein kräftiges Nachspiel. Und das wohl für beide Seiten.

Gehören Glücksspiel und Korruption zusammen?

Dass sich Gerüchte rund um mögliche Zahlungen von Glücksspielunternehmen an politische Organe ranken, ist längst nichts Neues. Immer wieder ist davon die Rede, dass sich die mächtigen Unternehmen zusätzliche Macht und noch größeren Einfluss sichern. Österreich ist da natürlich längst kein Einzelfall. Stattdessen wurden in der Vergangenheit immer wieder vereinzelt Medienberichte publik, in denen Unternehmen mit fragwürdigen Parteispenden in Verbindung gebracht wurden. Längst nicht nur in der Glücksspielbranche. Hierbei handelt es sich allerdings auch nicht immer automatisch um verbotene Zahlungen, sondern oftmals ganz reguläre Lobby-Arbeit. Auch darin liegt für die ermittelnden Behörden oftmals eine Schwierigkeit: Es muss nachgewiesen werden, dass es sich eben nicht um die klassische Lobby-Arbeit, sondern um Korruption oder Bestechung handelt.

5.0
Bewerte diesen Inhalt:
1 vote
Der Beitrag wurde am 23.8.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , veröffentlicht.
Folge Uns:---