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Schweden: Keine Lust auf den legalen Markt?

Bereits seit 2013 führt die schwedische Glücksspielbehörde Spelinspektionen jedes Jahr eine Glücksspielstudie durch. Diese befragt zahlreiche Teilnehmer nach ihren Glücksspielgewohnheiten und liefert so traditionell einen interessanten Blickwinkel auf die Branche. Erstaunlich ist in diesem Jahr, dass der Abwärtstrend insgesamt anhält. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Nachfragen zudem stark gesunken. Vor allem die privaten Anbieter haben Probleme. Und das, obwohl diese erst seit Anfang des Jahres offiziell auf dem Markt arbeiten dürfen. Ist die Euphorie des Neustarts schon nach so kurzer Zeit verpufft?

Mehrere Spielautomaten in einem Spielcasino.

Kurios: Seit die Schweden das Glücksspielgesetz geändert und deutlich offener gestaltet haben, scheint die Lust der Landsleute auf das Spiel nachgelassen zu haben. ( ©Steve Sawusch/Pixabay)

Jährliche Studie zeigt überraschende Zahlen auf

Jedes Jahr untersucht die schwedische Glücksspielbehörde Spelinspektionen mit der Glücksspielumfrage die Entwicklungen des schwedischen Marktes. Erstmalig durchgeführt im Jahre 2013, hat sich die Umfrage mittlerweile zu einer traditionsreichen Angelegenheit entwickelt, welche vor allem immer wieder spannende Einblicke in die Glücksspielbranche des Landes ermöglicht. Vor allem in diesem Jahr wurden die Zahlen mit Spannung erwartet. Immerhin hat sich auf dem Markt viel getan. Erst Anfang des Jahres wurde das Glücksspielgesetz deutlich aufgeweicht. Seit jeher ist es auch privaten Unternehmen aus dem In- und Ausland gestattet, ihre Glücksspielprodukte in Schweden zur Verfügung zu stellen. Angesichts dieser Änderung ist man vor allem von einer steigenden Nachfrage ausgegangen. Der Bericht der Behörde zeichnet allerdings ein anderes Bild.

Befragt wurden im Rahmen der Studie insgesamt 1.600 Teilnehmer. 60 Prozent der Befragten erklärten dabei, dass sie innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens einmal an einem Glücksspiel teilgenommen haben. Schon allein das ist ein Rückgang. 2013, also im ersten Jahr der Umfrage, erklärten noch 70 Prozent der Befragten die Teilnahme an Glücksspielen in den letzten zwölf Monaten. 2018 lag der Wert mit 66 Prozent ebenfalls noch höher.

Werbung scheint ein Problem zu werden

Nach den Gründen, weshalb die Schweden auf die Glücksspiele verzichten, fragte die Glücksspielbehörde ebenfalls. Fast ein Drittel aller Befragten gab an, dass sie das Gefühl hätten, im Spiel niemals etwas zu gewinnen. Weitere 18 Prozent erklärten, dass sie kein Vertrauen in die Glücksspielbranche hätten. Ein kleiner Erfolg: Im letzten Jahr gaben noch 22 Prozent der Befragten das mangelnde Vertrauen als Ursache an. Aber: 2015 war dies für nur 15 Prozent der Teilnehmer ein Grund, auf da Spiel zu verzichten. Auch hier bewegt man sich also tendenziell eher in eine kritische Richtung. Besonders kritisch ist zudem die Entwicklung in einem anderen Bereich. Acht Prozent der Befragten erklärten, sie würden das Glücksspiel meiden, da die Unternehmen zu viel Werbung machen würden. 2018 lag dieser Wert mit vier Prozent noch bei der Hälfte. Gefährlich ist die Einstellung rund um die Werbung für die Branche vor allem deshalb, weil sich die Unternehmen im Land ohnehin mit einer dazugehörigen Debatte konfrontiert sehen. Ein Werbeverbot steht im Raum, wofür jedoch das Glücksspielgesetz erst einmal geändert werden müsse. Bisher gibt dieses nur vor, dass die Anbieter in einem „gemäßigten Rahmen“ ihre Werbung ausstrahlen dürfen.

Private Anbieter gucken in die Röhre

Wie bereits erwähnt, ist man in Schweden vor allem von einer zunehmenden Nachfrage insbesondere im privaten Online-Bereich ausgegangen. Die Umfrage allerdings zeigt, dass sich die Lage durch die Öffnung der Branche kaum verändert hat. Im Gegenteil. So gaben 63 Prozent der Befragten an, dass sie im Internet beim staatlichen Anbieter Svenska Spel ihre Einsätze platzieren würden. Kurioserweise sind dies damit drei Prozent mehr als noch im letzten Jahr. Direkt hinter Svenska Spel folgen die Online-Pferdewetten beim Anbieter ATG, bei dem 17 Prozent der Befragten ihre Einsätze platzierten. Auch in diesem Fall handelt es sich um einen staatlichen Vertreter der Branche. Wie mager die privaten Unternehmen abschneiden, zeigen die Ergebnisse ebenfalls. Bei der Branchengröße Bet365 (weltweit über 19 Millionen Kunden) platzierten demnach nur vier Prozent der Befragten einen Einsatz. Sogar nur drei Prozent waren es beim heimischen Anbieter Unibet. Dass sich ein derartiges Ergebnis entdecken lassen wird, hat sich allerdings schon in den letzten Monaten ein wenig abgezeichnet. Immer wieder beschwerten sich die privaten Glücksspielunternehmen darüber, dass sie an zu strenge Lizenzgebühren mit zu hohen Kosten gebunden seien. Die Gaming Innovation Group etwa musste im dritten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahr Umsatzeinbußen von 19 Prozent hinnehmen. Elf Prozent weniger Umsatz waren es bei der Betsson-Gruppe. Die hat in diesem Zusammenhang bereits mitgeteilt, sich künftig wieder stärker anderen Märkten zuwenden zu wollen. CEO Pontus Lindwall dazu:

“Da die Bedingungen in Schweden für große Marketinginvestitionen nicht richtig waren, wurden die Aktivitäten reduziert und auf andere Märkte verlagert, wo sie bessere Renditen einbringen.“

Welches Angebot ist legal und welches nicht?

Betrachtet wurde von der schwedischen Glücksspielbehörde aber nicht nur der legale Glücksspielmarkt des Landes. Drei Prozent gaben an, bei illegalen Anbietern gespielt zu haben, 80 Prozent verneinten das. Kurios ist in diesem Zusammenhang aber, dass offenbar nicht ganz klar ist, welche Anbieter überhaupt legal sind. 95 Prozent der Befragten erklärten nämlich, dass sie nicht wüssten, woran man einen legalen Glücksspielanbieter erkennen kann. Ebenfalls interessant: Das eingeführte Hilfsprogramm „Spelpau.se“ scheint sich noch keinen Namen gemacht haben zu können. Stattdessen gab mehr als die Hälfte der Befragten an, von diesem Programm noch nicht gehört zu haben. Die Glücksspielbehörde selber wiederum berichtet von einem Anstieg in Höhe von elf Prozent bei den Registrierungen für das Programm. Insgesamt zeichnet der Bericht damit ein Bild, welches die Branche nicht zufriedenstellen kann. Gerade die privaten Anbieter stehen enorm unter Druck und scheinen mittlerweile sogar die Lust auf den Markt verloren zu haben. Die Betsson-Gruppe ist hier ein mahnendes Beispiel. Schweden sollte den Markt nicht zu stark einschränken, denn so wird dieser letztendlich langsam wieder zerstört. Das kann letztendlich nicht das Ziel sein. Möglicherweise verändert sich aus Sicht der privaten Branche in den kommenden Monaten etwas zum Guten. Angesichts der andauernden Debatten rund um ein Werbeverbot scheint dies aber zumindest aktuell nicht so zu sein.

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Der Beitrag wurde am 12.12.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , veröffentlicht.
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