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Schweden: Kurioser Bericht zur Spielsucht

Anfang 2019 wurde in Schweden der Online-Glücksspielmarkt geöffnet. Das staatliche Monopol für die Glücksspiele wurde aus den Angeln gehoben und auch private Unternehmen dürfen seit jeher ihre Dienste auf dem schwedischen Markt zur Verfügung stellen. Die schwedische Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten hat in dieser Woche einen passenden Report veröffentlicht, der sich mit dem Glücksspielverhalten und den Auswirkungen der Spielsucht auf die schwedische Gesellschaft bezieht.

Schweden Fahne im Wind

Die schwedische Gesundheitsbehörde hat vor wenigen Tagen einen Report zum Spielverhalten der Schweden veröffentlich. Überraschend: Frauen haben offenbar häufiger mit einem übermäßigen Spiel zu kämpfen als Männer.

Studie bereits vor der Marktöffnung durchgeführt

Im Detail wurde die Studie der schwedischen Folkhälsomyndigheten bereits im vergangenen Jahr durchgeführt, also noch vor der offiziellen Marktöffnung. Befragt wurden 5.000 Personen im Alter zwischen 16 und 87 Jahren, wobei die Studie ein überraschendes Ergebnis hervorbrachte. Sind es sonst in aller Regel die Männer, die mit einem deutlich stärkeren Spielverhalten auffallen, sind es in Schweden offenbar die Frauen. So wurde bei 64 Prozent der Befragten Damen Symptome eines pathologischen Spielverhaltens festgestellt. Damit liegt die Zahl deutlich höher als bei den Männern und ist in den vergangenen Jahren zudem um ganze 18 Prozent angestiegen.

Als pathologisches Spielverhalten wird ein Spielverhalten bezeichnet, welches zumindest als problematisch zu bewerten ist. Die Spieler und Spielerinnen spielen also öfter, als sie sollten und nicht selten gehen mit diesem Spielverhalten auch soziale und familiäre Probleme einher. In Deutschland sind laut Statistik der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Jahr 2018 rund 326.000 Menschen von einem pathologischen Spielverhalten betroffen gewesen. Deutlich kritischer sind allerdings die sogenannten Problemspieler zu bezeichnen, die noch einmal größere Probleme als die pathologischen Spieler aufweisen.

Zahl der Problemspieler in Schweden um 50% gestiegen

Gerade die Problemspieler sind auch in Schweden ein Grund, der den Behörden Sorgen in die Arbeit treibt. So ist die Zahl der Problemspieler geschlechterübergreifend von 2015 bis 2018 deutlich angestiegen und hat um gut 50 Prozent zugelegt. Das Problem: Es könne keine demografische Gruppe ausfindig gemacht werden, die besonders betroffen sei. Feststellen lässt sich lediglich, dass die Personen für ein problematisches Spielverhalten anfällig sind, die auch sonst Probleme mit anderen Genussmitteln haben. Die Anzahl der Spieler mit einem problematischen Trink- und Spielverhalten lag laut der Studie zum Beispiel bei 2,9 Prozent, während die Anzahl der Spieler ohne auffälliges Trinkverhalten bei nur einem Prozent lag.

Ebenfalls herausgearbeitet wurde durch die Gesundheitsbehörde, in welchen Glücksspielen die Schweden am liebsten aktiv sind. Erstaunlicherweise sind im skandinavischen Land vor allem die Lotterien gefragt. 50 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, zwischen 2017 und 2018 mindestens einmal das Glück in einer Lotterie herausgefordert zu haben. Die Anzahl der Spieler an den landbasierten und Online-Spielautomaten ist hingegen von sieben Prozent auf vier Prozent gesunken. Damit bewegt sich der schwedische Markt gegenteilig zu vielen anderen Glücksspielmärkten, wo es vor allem die Automatenspiele sind, die für rege Begeisterung sorgen.

Gesamtbeteiligung am Spiel weiterhin konstant

Ebenfalls nicht allzu gut sieht es für die Poker-Branche in Schweden aus, wo laut Umfrage lediglich zwei Prozent der Befragten aktiv waren. Immerhin 16 Prozent der Teilnehmer platzierten zwischen 2017 und 2018 Sportwetten, die Anzahl der Bingospieler stieg von sechs Prozent im Jahr 2015 auf neun Prozent im Jahr 2018. Scheint, als hätten die Schweden also einen ganz besonderen Hang zu Lotterie- und Bingospielen – und das vor allem online. Obwohl der schwedische Markt erst im Januar 2019 reguliert und geöffnet wurde, ist die Anzahl der Online-Spieler in der Umfrage in den letzten drei Jahren gestiegen und wuchs von 18 Prozent auf 21 Prozent an. Der landbasierte Markt musste hingegen einen Rückgang verzeichnen und hat zahlreiche Spieler an die Online-Konkurrenz verloren. Ein Trend, der sich nach der Öffnung des Marktes vermutlich noch einmal verstärken wird.

Gerade weil das Glücksspiel in Schweden jetzt aber mittlerweile ganz legal zugänglich ist, sind die Behörden stärker gefordert als je zuvor. Immerhin liegt die große Kunst darin, die Anzahl der pathologischen Spieler und Problemspieler auf einem breiten und kundenfreundlichen Markt nicht weiter wachsen zu lassen. Hierfür sollen verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden.

Droht ein Werbeverbot?

Eine heiß diskutierte Maßnahme ist unter anderem die Umsetzung eines Werbeverbots. Grundsätzlich sollen die Glücksspielanbieter zwar werben dürfen, in den Augen der Regierung allerdings am liebsten nicht mehr während laufender Sportveranstaltungen. Für die Branche wäre das ein harter Einschnitt, immerhin liegt genau bei diesen Zuschauern der Kundenkreis. Allerdings spricht sich offenbar auch die schwedische Bevölkerung dafür aus, ein Werbeverbot während Live-Übertragungen im Sport einzuführen. Laut einem schwedischen Marktforschungsunternehmen erklärten in einer Umfrage 87 Prozent der Befragten, dass im Fernsehen zu viel Werbung für Glücksspiele gezeigt werden. Zusätzlich dazu gaben 53 Prozent der Schweden an, dass man die Werbung für derartige Angebote künftig verbieten sollte.

Auch im Nachbarland Dänemark gehen die Behörden aktuell wieder streng gegen illegale Angebote auf dem Glücksspielmarkt vor. Hier gestaltet sich die Situation allerdings etwas anders, denn die Dänen haben bereits seit dem Jahr 2012 eine funktionierende Regulierung, welche Lizenzen an ausländische Unternehmen vergibt. Immer wieder drängen sich hier jedoch auch Unternehmen auf den Markt, die ohne entsprechende Lizenz agieren wollen. Diese werden von der Behörde zunächst aufgefordert, sich vom Markt zurückzuziehen. Sollten diese der Aufforderung nicht nachkommen, wird die Webseite in Kooperation mit den dänischen Internet-Providern gesperrt. Gewandelt hat sich dabei auch der Markt in Dänemark. Waren es in den letzten Jahren vor allem illegale Casinos, die sich ohne Lizenz ins Geschäft geschlichen haben, sind es mittlerweile vor allem die sogenannten Skin Betting Sites, auf denen Spieler um Inhalte für Online-Games spielen können. Da diese Online-Games vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt sind, sehen die dänischen Behörden eine große Gefahr für die Ausbreitung einer möglichen Spielsucht bei den ganz jungen Dänen.

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Der Beitrag wurde am 12.4.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , veröffentlicht.
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