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Spanien: Werbeverbot für Glücksspiel?

Die spanische Glücksspielbranche steht zwar noch immer deutlich hinter den Lotterien des Landes, dennoch hat auch der Glücksspielbereich in den letzten Jahren enorm zulegen können. Dazu gehören auch die Werbemaßnahmen, die in der jüngeren Vergangenheit immer umfangreicher geworden sind. Genau dagegen wehrt sich nun der Glücksspiel-Ombudsmann des Landes. Und dieser bekommt mit der Finanzbehörde mächtigen Zuspruch. Nachdem vor einigen Monaten bereits ein Vorschlag zur Reduzierung der Werbemaßnahmen der Glücksspielbranche vorgelegt wurde, hat die Finanzbehörde bereits grünes Licht für den Vorschlag gegeben. Eine Umsetzung in der Praxis könnte trotzdem noch auf sich warten lassen.

Innenräume eines Spielcasinos.

Glücksspiel ist in Spanien stationär und auch online enorm beliebt. Jetzt allerdings hat die Finanzbehörde grünes Licht für ein mögliches Werbeverbot für die Glücksspielbranche gegeben. (©Pixabay)

Ombudsmann: Glücksspiel betrifft öffentliche Gesellschaft

Francisco Fernandez Marugan ist der sogenannte Glücksspiel-Ombudsmann in Spanien. Hierbei handelt es sich um eine neu geschaffene Position, die künftig für eine bessere Kommunikation zwischen der Branche und der Lizenzbehörde sorgen soll. Konkret geht es darum, dass der Ombudsmann zum Beispiel mögliche Verbesserungen ausfindig macht und hierfür entsprechende Vorschläge zur Verbesserung einreicht. Genau das ist offenbar in den letzten Monaten getan und so hat sich Marugan dafür eingesetzt, dass die Werbemaßnahmen der Glücksspielbranche deutlich reduziert werden. Hierfür wurde ein Vorschlagspapier an die Finanzbehörden gereicht, wgewünschelche dieses in den vergangenen Wochen umfangreich prüfen konnte. Das Ergebnis der Behörde: Dem Glücksspiel-Werbeverbot steht aus Sicht der Finanzbehörden nichts im Wege.

Das ist ein großer Erfolg für Marugan, der erklärte, dass Glücksspiel die gesamte öffentliche Gesellschaft betreffe und es deswegen einen rechtlichen Rahmen mit zwingenden Vorgaben benötigen würde. Die Pläne selber umfassen laut Marugan offenbar ein generelles Werbeverbot für die Glücksspielbranche, von welchem ausschließlich zwei Lotterie-Anbieter ausgeschlossen sind. Die Begründung: Die Anbieter unterstützen mit ihren Einnahmen soziale Einrichtungen im Land und sollen daher weiter Werbung für das eigene Portfolio machen dürfen.

Zustimmung von Finanzbehörde: Fortschritt oder nicht?

Es ist natürlich keine große Überraschung, dass Marugan die Zustimmung der Finanzbehörde zur Reduzierung der Werbemaßnahmen als Erfolg bezeichnet. Ähnlich sehen dies offenbar auch Mitglieder der Regierungspartei POSE. Diese erklärten im Anschluss an die Veröffentlichung der Zustimmung, dass man möglichst schnell entsprechende Gesetzesvorschläge ins Parlament einbringen wolle. Etwas anders sieht es wiederum die spanische Glücksspielbehörde. Diese mahnt zur Ruhe und erklärte, dass erst einmal ein entsprechendes Gesetz entworfen werden müsse und sich der Prozess rund um ein Verbot demnach noch einige Zeit ziehen könnte. Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass das grüne Licht der Finanzbehörden als klares Indiz dafür gesehen werden kann, dass die spanischen Behörden einem möglichen Verbot gegenüber zumindest nicht vollständig abgeneigt sind.

Bereits im letzten Jahr wurden die Diskussionen rund um das Werbeverbot erstmalig in Gang getreten, sind dann allerdings nicht weiter verfolgt worden. Das könnte sich jetzt wieder ändern, auch wenn Kritiker der Meinung sind, dass in diesem Fall mit „Kanonenkugeln auf Spatzen“ geschossen wird. Zwar hat die spanische Glücksspielbranche in den letzten Jahren deutlich zulegen können, dennoch handelt es sich im europäischen Vergleich gesehen noch immer um einen „harmlosen“ Markt. So lagen die Gesamteinnahmen der Glücksspielbranche in Spanien 2018 bei rund 700 Millionen Euro, wovon die Casinos im Internet rund 234 Millionen Euro erwirtschafteten. Weitaus stärker sind aber die spanischen Lotterien, die im selben Zeitraum mit neun Milliarden Euro deutlich stärkere Einnahmen verbuchen konnten.

Begeisterung zur Werbe-Reduzierung in verschiedenen Ländern

Nicht nur in Spanien, sondern auch in weiteren Ländern spielt ein Werbeverbot für die Glücksspielbranche momentan oder schon seit geraumer Zeit eine große Rolle. Besonders drastisch ist das Land Italien gegen die Glücksspielwerbung vorgegangen. Hier ist diese seit einigen Monaten im TV und Radio untersagt. Das wiederum hart zuletzt für scharfe Kritik beim Medienverband AGCOM gesorgt, der den Behörden vorwarf, die spanisch Medienbranche auf diesem Wege in einen Nachteil zu stellen. Gleichzeitig wurden natürlich auch die horrenden finanziellen Einbußen bemängelt, die aufgrund von ausbleibenden Werbeverträgen vorzufinden sind. In Großbritannien wurden die Werbemaßnahmen für die Glücksspielbranche ebenfalls deutlich eingeschränkt, auch wenn man hier zumindest noch von einem Totalverbot entfernt ist.

Ähnliche Richtungen schlagen zudem die Länder Schweden oder Norwegen ein, wo das Glücksspiel-Werbeverbot zumindest schon in der Theorie bearbeitet wird. In allen Ländern ist es natürlich so, dass sich auf verschiedenen Wegen Widerstand gegen diese Pläne regt. Und da bildet auch das südeuropäische Spanien keine Ausnahme.

Harter Widerstand wird erwartet

Die Glücksspielbranche kündigte im Anschluss an die Mitteilung von Marugan mit, dass man sich von den Plänen unberecht behandelt fühle. Immerhin werden man auf diesem Wege in die Ecke von „Schwarzmarkthändlern“ gedrängt, obwohl man offizielle Lizenzen des Landes besitze. Diese müssten in der Tat möglicherweise überarbeitet werden, denn bisher sind mögliche Reduzierungen in der Werbung in den Lizenzbedingungen nicht berücksichtigt. Darüber hinaus teilte die Glücksspielbranche mit, dass der Ombudsmann seine Pläne aufgrund einer „falsch informierten Agenda“ erstellt habe. Man werde diese Planungen daher nicht einfach so hinnehmen, sondern sich auf juristischem Wege mit allen möglichen Mitteln zur Wehr setzen. Selbst wenn also möglicherweise schon in naher Zukunft die theoretischen Rahmenbedingungen für ein Werbeverbot ins Leben gerufen werden können, dürften bis zur praktischen Umsetzung tatsächlich noch einige Wochen vergehen. Die Mühlen der spanischen Justiz mahlen, ähnlich wie auch in anderen Ländern der Welt, nicht immer in Rekordgeschwindigkeit. Gerade im Falle einer juristischen Gegenwehr könnte sich das geplante Verbot also zu einer zähen Angelegenheit entwickeln. Immerhin wartet der Widerstand in Spanien nicht nur in Form von kritischen Stimmen aus der Glücksspielbranche, sondern auch aus dem Bereich der Medien. Hier gibt es bereits Widerstand in der Form, dass ähnlich wie in Italien von einem klaren Nachteil für die heimischen Unternehmen gesprochen wird. Immerhin könnten Unternehmen mit Sitz außerhalb Spaniens ihre Glücksspiel-Werbung trotz des Verbotes noch immer in Spanien ausstrahlen – und hätten so in der Tat einen Vorteil gegenüber den spanischen Medienunternehmen.

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Der Beitrag wurde am 15.8.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , veröffentlicht.
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