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Stationäres Glücksspiel fordert mehr Beachtung

In den kommenden Jahren soll der Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland deutlich überarbeitet werden. Das ist auch dringend notwendig, denn die Anforderungen und auch die Ausgangslage haben sich deutlich verändert. Insbesondere das Online-Glücksspiel steht im Fokus der neuen Regelungen – und das wiederum scheint der stationären Automatenbranche in Deutschland nicht wirklich zu passen. Jetzt jedenfalls äußerte sich die Deutsche Automatenwirtschaft und erklärte, dass man sich bei der Verhandlung rund um neue Regelungen übersehen fühle.

Aufgereihte Spielautomaten in einem Casino.

Mit Spielautomaten im stationären Betrieb werden jährlich gut sechs Milliarden Euro in Deutschland umgesetzt. Der Branchenzweig fühlt sich bei den neuen Planungen für den Glücksspielvertrag aber übergangen. (©pixabay)

DAW bemängelt einseitige Betrachtung der Politik

Das Glücksspiel in Deutschland soll in den kommenden Jahren in eine neue Richtung gelenkt werden. Konkret geht es darum, einheitliche Regelungen für die Bundesrepublik aufzustellen, die ab dem Jahr 2021 verabschiedet werden sollen. Die Verhandlungen für den neuen Staatsvertrag laufen natürlich bereits auf Hochtouren. Und schon stellen sich die ersten Interessenskonflikte ein. Die Deutsche Automatenwirtschaft kritisierte jüngst in Person von Präsident Georg Stecker, dass sich die Politik bei den Verhandlungen zu sehr auf das Online-Geschäft fokussieren würde. Gegenüber der „FAZ“ gab Stecker an, dass man von der Politik verlange, eine kohärente Glücksspielregulierung ins Leben zu rufen. Dies sei allerdings de facto nicht der Fall. Stattdessen würde man es den Online-Anbietern offenbar so angenehm wie möglich machen, während die stationäre Branche unter immer stärkeren Vorschriften leiden müsse.

Seine Branche würde einen Betrag von rund sechs Milliarden Euro pro Jahr umsetzen, so Stecker. Dennoch fühle man sich als Automatenindustrie bei den Verhandlungen für den neuen Staatsvertrag aber nicht ausreichend beachtet. Im Detail erklärte der Verbandspräsident:

“Wir brauchen den großen Wurf und gleiche Spielregeln für alle. Diese Neuordnung darf sich nicht nur auf einzelne Teilbereiche des Glücksspiels, wie Sportwetten oder das Online-Spiel, beschränken. Es macht keinen Sinn, wenn Spielhallen nach Abstand reguliert werden, während online an jedem Ort gespielt werden kann.“

Technische Richtlinie 5.0 erhöht Druck auf stationäre Branche

Damit spielt der Verbandspräsident unter anderem auf die Abstandsregelung an, die in den deutschen Städten und Gemeinden eingeführt wurde. Diese sieht vor, dass Spielotheken nur in einem gewissen Abstand zu Schulen oder Jugendzentren eröffnet werden dürfen. Ebenso müssen aufgrund der Abstandsregelung auch Mindestabstände zu anderen Spielotheken eingehalten werden. Zahlreiche Betriebe mussten in Deutschland deshalb schließen, wodurch die stationäre Branche doch spürbar geschwächt wurde. Darüber hinaus wurde erst vor wenigen Monaten die Technische Richtlinie 5.0 eingeführt. Diese hat dafür gesorgt, dass die Glücksspielentwickler Millionen in die Überarbeitung ihrer Automaten investieren mussten. Verändert wurde hierdurch zum Beispiel der maximale Gewinn pro Stunde, der in Spielotheken von 500 Euro auf 400 Euro innerhalb von 60 Minuten reduziert wurde. Der maximale Verlust wurde ebenfalls von 80 Euro auf 60 Euro reduziert, zudem muss jede Spielrunde nun mindestens fünf Sekunden lang laufen. Sobald 60 Minuten gespielt wurden, pausieren die Geräte für einen Zeitraum von fünf Minuten. Nach 180 Minuten erfolgt sogar eine komplette Nullstellung und Speicherleerung. Beim Einsatz wurden ebenfalls Änderungen vorgenommen. Dieser darf nicht mehr als Punktespeicher angezeigt werden, sondern muss sich in Euro und Cent darstellen lassen. Die Branche musste aufgrund dieser Änderungen aber nicht nur die Automaten überarbeiten, sondern auch horrende Einbußen hinnehmen. Für das laufende Geschäftsjahr 2019 werden so zum Beispiel Einbußen im zweistelligen Bereich erwartet.

Hält sich die Branche überhaupt an die Vorgaben?

Wer im Glashaus sitzt, sollte eigentlich nicht mit Steinen schmeißen. Genau das tut der Automatenverband in den Augen seiner Kritiker allerdings. Vorgeworfen wird der DAW nämlich, die gesetzlichen Vorgaben still und heimlich zu umgehen. Möglich sei dies, da es einige definitorische Lücken in den Gesetzestexten geben würde, die sich die Glücksspielbranche im stationären Bereich zunutze mache, so die Kritiker. Bezug nehmen diese damit zum Beispiel auf eine Äußerung der Automatenbranche, dass das Umbuchen des Geldes in den Punktespeicher das eigentliche Spiel sei. Die zusätzliche Animation auf den Walzen diene stattdessen nur als zusätzliche Unterhaltung.

Wie Medienberichte mitteilten, erklärte ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes Hannover dazu, dass die Entwickler zwar im „Spiel“ an sich die Richtlinien von TR 5.0 einhalten würden, die zusätzliche „Unterhaltung“ diese aber umgehe. Damit sei das eigentlich Ziel umgangen. Die Entwickler halten sich also rein formal an die Vorgaben, die Ideen des Spielerschutzes würden so aber nicht wirklich zum Tragen kommen.

Spieler genervt von TR 5.0

Leidtragende der Debatte zwischen Glücksspielbranche und Politik sind aktuell vor allem die Spieler. Diese haben sich in der jüngeren Vergangenheit allerdings weniger über mögliche Suchtgefahren durch Tricks der Entwickler beschwert, als vielmehr über den stetig abnehmenden Spielspaß. Für viele „Zocker“ geht es in den Spielotheken schon mit dem Aufbuchen des Geldes los. Dieses geschieht seit einiger Zeit nicht mehr automatisch, stattdessen müssen die Spieler die Geldsumme per Tastendruck in den Punktespeicher bringen. Darüber hinaus können nur maximal zehn Euro in den Geldspeicher des Automaten eingeworfen werden. Dieser Betrag lag zuvor noch bei 25 Euro.

Zu spüren bekommen diese Veränderungen alle Beteiligten der Glücksspielbranche. So haben jüngst Studien und Analysen gezeigt, dass die Spieler aus den Spielotheken immer häufiger auf die Angebote im Internet zurückgreifen. Hier sind derartig strenge Regeln wie im stationären Betrieb nicht vorhanden. Alternativ begeben sich immer mehr Spieler aber offenbar auch in die Spielbanken der einzelnen Bundesländer. Hier sorgt vor allem das Automatenspiel dafür, dass die Spielbanken noch immer hervorragende Zahlen vorweisen können – zumindest in den meisten Fällen. Das Spiel an den Roulette- oder Black-Jack-Tischen wiederum hat demnach ein wenig an Bedeutung verloren. Kurz und knapp gesagt dürfte es für die Politik eine massive Aufgabe werden, die Interessen aller Branchenzweige geordnet unter „einen Hut“ bringen zu können. Dass dies nicht ganz einfach werden wird, zeigt sich bereits in der aktuell noch frühen Phase der Verhandlungen.

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Der Beitrag wurde am 6.10.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , veröffentlicht.
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