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Virtual Reality als Spielsucht-Therapie

Virtual Reality dürfte vor allem den Anhängern von Computerspielen ein Begriff sein. Mit dieser Technologie wird eine virtuelle Welt vor den Augen des Spielers erzeugt, der sich somit in eine ganz neue Umgebung versetzt fühlt. Damit aber nicht genug: Die virtuelle Realität kann in den Augen eines Forscher-Teams der Universität Quebec aus Kanada nämlich noch viel mehr und könnte in Zukunft zum Beispiel für die Behandlung der Spielsucht eingesetzt werden. So zumindest der Tenor des Forscher-Teams auf dem 87. Kongress der französisch-kanadischen Wissenschaftlervereinigung Acfas.

Mann mit VR Brille.

Mit Hilfe der virtuellen Realität kann die Medizin laut Forschern der Universität Quebec in Kanada Spieler mit einem problematischen Spielverhalten behandeln. (©Pixabay)

Konfrontation als wichtiges Therapie-Element bisher missachtet

Stéphane Bouchard und sein Forscher-Team haben die Arbeit an ihrem Projekt bereits vor rund acht Jahren aufgenommen. Seit dem beschäftigten sich die Forscher der Universität Quebec in Kanada damit, herauszufinden, wie sich das problematische Spielverhalten beim Menschen mit Hilfe von virtueller Realität beeinflussen bzw. behandeln lässt. Zu dieser völlig neuen Denkweise im Bereich der Suchtbehandlung sind die Forscher laut Bouchard vor allem deshalb gekommen, weil in der klassischen Therapie bisher ein wichtiges Element mit dem Element der Konfrontation nicht ausreichen beachtet werden. Also das Element, welches den Patienten mit seiner Sucht bzw. der jeweiligen Versuchung in Berührung bringt.

Genau an dieser Stelle soll die VR-Therapie künftig die bisherigen Grenzen der klassischen Behandlung erweitern. Bouchard erläutert, dass in einem Gesprächsraum mit einem Psychologen niemals eine vergleichbare Atmosphäre aufgebaut werden könne, wie dies in jenem Moment der Fall ist, in welchem der Spieler „getriggert“ wird – also sich das Verlangen bemerkbar macht. Mit der virtuellen Realität könne man eben jene Umgebung erschaffen – und das unter vollkommen sicheren Rahmenbedingungen für den Patienten. Dieser würde sich immer in Begleitung eines Mediziners an die Versuchung heranwagen und könnte sich jederzeit darauf verlassen, dieser aber selbstverständlich niemals nachgeben.

Impuls kann genau bestimmt werden

Der Mediziner oder Psychologe könnte anhand der Emotionen und Verhaltensweisen des Patienten wiederum erkennen, was genau die Ursache für das jeweilige Verlangen war, bzw. zu welchem Zeitpunkt dieses ausgelöst wurde. Auf diese Art und Weise kann die anschließende kognitive Therapie also unter ganz neuen Gesichtspunkten festgelegt werden – und dort ansetzen, wo sich der Impuls beim Patienten aufbaut. Einen weiteren Vorteil sehen die Forscher darin, dass sich die Patienten im Anschluss an die Therapie nicht vollständig umgewöhnen müssten, weil sie auf einmal ganz anderen und schwierigeren Situationen mit der Sucht gegenüberstehen. Diese wären dann bereits aus der Therapie bekannt und könnten dementsprechend leichter verarbeitet werden.

Auf dem Kongress musste Bouchard allerdings auch einräumen, dass die Ergebnisse bisher noch nicht ausreichen würden, um das Verfahren auch in der Praxis einsetzen zu können. Dennoch habe man gute Testergebnisse erreicht, die dafür sorgen, dass man nun den nächsten Schritt in der Testphase einleiten könne. Bouchard erklärte zudem, dass es bislang keinerlei negative Nebenwirkungen bei den Probanden gegeben habe – auch das ist ein wichtiges Kriterium für mögliche weitere Tests. Wie diese genau aussehen, steht im Detail natürlich noch nicht fest. Bouchard plant aber, die Tests deutlich zu vergrößern und so auf große klinische Untersuchungen zurückzugreifen, mit denen die bisherigen Ergebnisse noch einmal unterstrichen werden können.

Forscher treffen auf offene Ohren

In der Medizin hat das Forscher-Team um Bouchard mit seinen Ergebnissen ganz offensichtlich einige Fürsprecher gefunden. Einer davon ist laut „Radio Canada“ Yasser Khazaal, der als Chefarzt in der psychiatrischen Abteilung der Schweizer Universitätsklinik Waadt arbeitet. Auch Khazaal sieht große Möglichkeiten in der VR-Therapie, welche offenbar vor allem in der Ergänzung zu klassischen Therapien zu finden sind. Zusätzlich dazu gab Khazaal an, dass die Behandlung individuell auf jeden Patienten zugeschnitten werden müsse. Im Detail erklärte der Chefarzt aus Waadt:

“Es ist nicht allein die virtuelle Realität, die die Therapie ausmacht, sondern die genaue Anwendungsweise bei den individuellen Patienten. Die Technologie kann sehr nützlich sein, um zu verstehen, was der Patient fühlt und glaubt, während er spielt. Es ist ein Ansatz, der die normale Therapie durchaus ergänzen kann.“

In der Tat finden sich in der jungen Historie der virtuellen Realität bereits einige bemerkenswerte Erfolge. So wird diese Behandlung zum Beispiel bei Phobien eingesetzt und konnte hier in vielen Fällen tatsächlich dazu beitragen, dass Patienten ihre Ängste deutlich besser kontrollieren oder sogar vollständig besiegen konnten. Ebenso konnten auch bei Patienten mit Essstörungen oder Drogenproblemen bereits Erfolge erzielt werden. Allzu weit hergeholt scheint die Theorie der Forscher aus Quebec also nicht zu sein.

VR in vielerlei Hinsicht für das Glücksspiel relevant

Die virtuelle Realität hat sich im Bereich des Glücksspiels in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem echten Thema entwickelt und dürfte in den kommenden Jahren noch weiter an diesem Ruf arbeiten. So setzt zum Beispiel nicht nur die Spielsucht-Therapie auf den Einsatz der virtuellen Realität, sondern auch die Glücksspielbranche selbst. Mit Hilfe der visuellen Darstellung von ganz individuellen Umgebungen öffnen sich für die Glücksspielunternehmen natürlich zahlreiche neue Wege, die somit in der Zukunft noch für eine Menge Begeisterung bei den Spielern sorgen könnten. Ebenfalls ein interessantes Thema ist in diesem Zusammenhang auch die Augmented Reality, welche in der Darstellung der künstlichen Umgebung noch einen Schritt weitergeht und mehrere Sinne des menschlichen Körpers miteinbezieht. In jeglicher Hinsicht dürften VR und AR also Themenbereiche bleiben, über die in den kommenden Jahren möglicherweise noch viel Gutes zu hören sein wird.

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Der Beitrag wurde am 5.6.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , veröffentlicht.
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