Startseite
Startseite > Magazin > WestSpiel: Was passiert mit den Spielbanken?

WestSpiel: Was passiert mit den Spielbanken?

Die Westdeutsche Spielbanken GmbH & Co. KG, kurz WestSpiel, betreibt in Nordrhein-Westfalen vier Spielbanken und nimmt damit rund 20 Prozent des gesamten Marktes in Deutschland. Jahrelang haben die Spielbanken gute Umsätze erwirtschaftet und so nicht zuletzt dem Land als Eigentümer schöne Einnahmen verschafft. Doch das ist nicht mehr unbedingt der Fall und so gibt es Spekulationen darüber, dass die Casinos in private Hände übergehen sollen. Doch wirklich attraktiv scheint das Geschäft für den neuen Eigentümer nicht zu sein. Der Bau des geplanten fünften Casinos stagniert, zudem schreiben fast alle Häuser schon seit geraumer Zeit rote Zahlen.

Das Gebäude des WestSpiel Casinos.

Während der Bau des fünften WestSpiel-Casinos stagniert, gibt es Pläne, die Spielbank zu privatisieren.

Wo bleibt die fünfte Spielbank in Köln?

Obwohl die WestSpiel-Gruppe auch schon früher immer mal wieder im Fokus der Öffentlichkeit stand, wurde das Unternehmen erst im Jahr 2013 so richtig einer breiten Masse an Menschen vorgestellt – vor allem aufgrund seiner eigenen Planungen. Immerhin wurde damals durchgewinkt, dass ein fünftes Casino entstehen soll – und das sollte mit mehr als 400.000 Besuchern pro Jahr die größte Spielbank in Deutschland werden. Doch bisher sind die einst so motivierten Planungen auf dem Nullpunkt angekommen. Das fasste auch NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper vor ein paar Tagen treffend zusammen, als er erklärte: „Hinsichtlich der Planungen zur Spielbank Köln hat WestSpiel mit der Stadt hinsichtlich der Gestaltung der Fassade und des Baukörpers sowie der Drittverwendungsmöglichkeit nach wie vor keine Einigung erzielt.“

Kurios: Offenbar hat WestSpiel das Baugrundstück am Ottoplatz in Köln auch noch gar nicht gekauft, da es hier noch Unklarheiten zum Baugrund gibt. Die Stadt allerdings erwartet offenbar zeitnah eine Entscheidung. So erklärte Anne Luise Müller als Leiterin des Stadtplanungsamtes gegenüber der „Rundschau“: „Wir stehen quasi Gewehr bei Fuß. Aber wir brauchen Input von WestSpiel, um Planrecht zu schaffen.“ Detlef Fritz, der Leiter des Liegenschaftsamtes, ergänzt: „Das ist ein wichtiger Bauplatz, den haben wir jetzt angepackt, dann sollte dort auch irgendwann etwas geschehen.“

Drittverwendungsmöglichkeit sorgt für Unklarheit

Auch wenn neben der Drittverwendungsmöglichkeit vor allem die Gestaltung des Casinos für Diskussionen sorgt, dürfte sich letzteres Problem mit der Überarbeitung der Entwürfe relativ schnell aus der Welt schaffen lassen. Dennoch irgendwie ärgerlich, immerhin hatte das Casino einen Wettbewerb veranstaltet und hier letztendlich ein Design zum Sieger gekürt – welches aber offenbar so nicht genutzt werden kann. Die Drittverwendungsmöglichkeit wiederum ist im Bebauungsplan klar geregelt und sorgt so für ein paar Probleme bei der Planung. Eingeordnet werden müsste der Bauplatz im Bereich „Spielcasino, Gastronomie und verwaltungserforderliche Nutzungen“. Bedeutet im Klartext: Sollte das Casino keinen Erfolg haben, muss der Bauplatz bzw. das Gebäude für ein Geschäft in diesem Bereich genutzt werden. WestSpiel möchte das jedoch nicht, sondern würde im Falle eines nicht-laufenden Casinobetriebs wohl lieber ein Büro in den Räumlichkeiten platzieren.

Wenig überraschend gibt die Konzerngruppe daher ein ähnliches Statement wie der Finanzminister des Landes ab und erklärt: „Bezüglich der Planungen zur Spielbank Köln setzt Westspiel die Gespräche mit der Stadt Köln hinsichtlich der Gestaltung der Fassade und des Baukörpers sowie der Drittverwendungsmöglichkeit fort.“ Zusammenfassen lässt sich damit schon jetzt, dass der eigentliche Zeitplan unmöglich mehr eingehalten kann. So sollte die Spielbank schon 2015 eröffnen, ehe der Start auf das Jahr 2018 verschoben wurde. Auch das hat jedoch nicht funktioniert und aktuell scheint fraglich, ob es jemals zu einer Spielbank in Köln-Deutz kommen wird.

Je hübscher die Braut, desto interessanter ist sie

Auch wenn offiziell also die Unklarheiten bei der Gestaltung und der Drittverwendungsmöglichkeit als Bremse für die Planungen angegeben werden, dürfte der Hund noch an anderer Stelle „begraben“ sein. Unlängst wurde beschlossen, dass die WestSpiel Casinos, die sich übrigens über die NRW Bank zu 100 Prozent im Besitz des Bundeslandes befinden, in private Hände abgegeben werden sollen. Auch das dürfte also einer der Gründe dafür sein, dass keine Bagger in Köln-Deutz zu sehen sind. Das Problem an der ganzen Sache: Dadurch, dass die Spielbanken in den letzten Jahren nicht sonderlich erfolgreich waren, hält sich das Interesse der privaten Unternehmen arg in Grenzen. Bisher kann mit der Gauselmann-Gruppe (Entwickler der Merkur-Spiele) wohl nur ein vermeintlicher Interessent nachgewiesen werden, der sich aber auch nicht zu 100 Prozent glücklich zeigt. So erklärte ein Unternehmenssprecher vor einiger Zeit, dass wohl niemand die Spielbanken in ihrem aktuellen Zustand übernehmen würde. Treffend ergänzte die Gauselmann-Gruppe: „Je mehr man die Braut aufhübscht, desto interessanter wird sie.“

Im Klartext bedeutet das also, dass die Gruppe ein paar Zugeständnisse haben möchte, ehe die klammen Casinos aus den Händen des Landes „befreit“ werden können – und abgeneigt scheint das Land nicht zu sein. Wie berichtet wurde, soll in internen Papieren bereits die Änderung des Glücksspielvertrags in NRW in Planung sein. Die Rede ist darin offenbar unter anderem von einer Ausweitung der Standorte, so dass der neue Betreiber statt vier künftig 16 Betriebe betreiben dürfte. Finanzminister Lienenkämper allerdings wiegelt gegenüber der „Rundschau“ ab und erklärt, dass dies ausdrücklich „nicht Ziel des Ministeriums“ sei. Fakt ist allerdings auch: Ohne Zugeständnisse wird es nicht gehen. Und einen besseren neuen Eigentümer als die Gauselmann-Gruppe dürften die WestSpiel-Casinos derzeit auch nur schwer finden.

Jetzt die besten Casinos vergleichen!
5.0
Bewerte diesen Inhalt:
1 vote
Der Beitrag wurde am 1.2.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , , , veröffentlicht.
Folge Uns:---