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Wird das größte Casino Europas wieder eröffnet?

Die kleine italienische Enklave Campione d’ Italia am Luganersee ist in der Welt durchaus bekannt. Dies liegt vor allem am gleichnamigen Casino, welches bereits aus großer Entfernung über den großen See hinweg zu erkennen ist. Doch ausgerechnet der prunkvolle Palast, der die Region in den letzten Jahren immer wieder mit viel Geld versorgt hat, musste im vergangenen Jahr erst einmal seine Türen schließen. Das gesamte Städtchen ist allerdings nahezu abhängig vom Casino und so machen sich ehemalige Angestellte noch immer Hoffnungen darauf, dass sie die Regierung in Rom nicht im Stich lassen wird.

Das Casino Campione in Campione d’ Italia am Luganersee.

Das größte Casino Europas, das Casino Campione, wurde Mitte letztes Jahr geschlossen.

Seit Sommer 2018 sind die Türen geschlossen

Über viele Jahre lang hat das Casino Campione die kleine Stadt Campione d’ Italia am Luganersee mit viel Geld und guten Einnahmen versorgt. Jahr für Jahr strömten zahlreiche Besucher aus der ganzen Welt in den riesigen Spieltempel, der sich einen Namen als größtes Casino in Europa erarbeiten konnte. Das gilt auch immer noch, allerdings wird schon seit Sommer 2018 keine einzige Spielrunde mehr an den Tischen und Automaten in Campione absolviert. Die Spielbank musste am 27. Juli 2018 aufgrund einer finanziellen Schieflage die Türen schließen, von einer Verschuldung in Höhe von rund 90 Millionen Euro ist die Rede. Seit der Schließung stehen Tag für Tag die ehemaligen Angestellten vor der Tür des Casinos und erinnern mit einer Art Mahnwache daran, dass es hier nicht nur um den luxuriösen Spieltempel geht, sondern auch zahlreiche Existenzen, die mit diesem verbunden waren bzw. sind. Gleichzeitig ist die Mahnwache auch ein Fingerzeig in Richtung Rom, denn von der Regierung fühlen sich die Menschen in Campione schon länger im Stich gelassen. Das Problem: Nahezu das gesamte Dorf ist vom Casino abhängig. Von den rund 1.900 Einwohnern des Ortes sind fast 500 Beschäftigte direkt durch die Schließung des Casinos betroffen. Da zusätzlich auch die Familienmitglieder gerechnet werden müssen, wird hier von rund der Hälfte aller Einwohner des Ortes gesprochen – eine unangenehme Lage.

Hilfe aus Rom in Form eines Kommissars

Enttäuscht sind die Menschen in Campione vor allem deshalb, weil es angeblich aus Rom zunächst hieß, dass man das Casino schnell wieder eröffnen wolle. Das hat Hoffnungen bei den Einwohnern geweckt, die aktuell allerdings erst einmal auf die Probe gestellt werden. Von einer schnellen Hilfe war bisher wenig zu spüren, stattdessen schickt Rom in diesen Tagen einen außerordentlichen Kommissar nach Campione. Dieser soll vor allem prüfen, ob eine Gesellschaft bereit dazu ist, das Casino zu übernehmen und noch einmal mit Leben zu füllen. Allerdings gibt es auch eine gesetzliche Hürde, denn per Gesetz ist es verboten, eine ehemalige staatliche Gesellschaft nach einem Konkurs innerhalb von fünf Jahren wieder zu aktivieren. Genau das war beim Casino in Campione allerdings der Fall, so dass in letzter Instanz aktuell das italienische Gesetz einen Strich durch die Rechnung macht. Dennoch soll sich der Kommissar nun erst einmal innerhalb von 45 Minuten auf der Suche nach einem Unternehmen machen, welches das Pleite-Casino übernehmen möchte. Ankommen wird es bei der Suche ganz sicher auch auf das Verhandlungsgeschick des Kommissars. Immerhin spricht grundsätzlich nicht allzu viel dazu, das Risiko einer millionenschweren Investition in Campione einzugehen, nachdem hier zuvor in den letzten Jahren schon viel heruntergewirtschaftet wurde. Darüber hinaus hat sich die Lage auf dem Glücksspielmarkt seit Sommer 2018 für die stationären Betriebe auch nicht wirklich verbessert, obwohl in der Schweiz bekanntermaßen ein Verbot für Online-Glücksspiele aus dem Ausland durchgesetzt wurde. Dennoch ist die Konkurrenz im Internet groß, auch das gräbt Campione den Saft ab. Zusätzlich dazu stellen die ehemaligen Angestellten gewisse Forderungen, die dem Kommissar aus Rom übergeben werden sollen. Diese verlangen, dass sie ohne Einschränkungen wieder in ihren alten Beruf zurückkehren können. Möchte ein neuer Eigentümer sparsam wirtschaften, wären dann also keine Sparmaßnahmen bei den Personalkosten möglich – keine wirklich gute Ausgangssituation für Gespräche am Verhandlungstisch.

Einzigartige Geschichte und geteilte Schicksale

1933 wurde das Casino im Campione gegründet. Bereits zur damaligen Zeit wurde festgelegt, dass ein Teil der Gewinne für die sozialen Ausgaben im Bereich der Bildung, Gesundheit oder Verwaltung verwendet werden soll. Bis heute einzigartig auf der Welt. Jahrelang war das ein echter Segen für die Region, aktuell ist diese Entscheidung eher gleichbedeutend mit einem Fluch. Dadurch, dass das Casino keine Einnahmen erzielt, fehlen diese wenig überraschend auch an anderen Stellen. Die Müllabfuhr beispielsweise fährt im Ort schon seit mehreren Wochen nicht. Stattdessen wird dies von Tessiner Seite übernommen. Darüber hinaus bezahlt Campione seit rund einem Jahr keine Mitarbeiter der Gemeinde mehr und kann aktuell nicht einmal einen Bürgermeister präsentieren. Zusätzlich dazu ist auch das aktuelle Schicksal der ehemaligen Angestellten komplett unterschiedlich. Einwohner Campiones nämlich können sich aufgrund der fehlenden Einnahmen in der Gemeindekasse derzeit nicht auf finanzielle Unterstützung verlassen. Anders sieht es bei den Ex-Angestellten aus, die in der Schweiz beheimatet sind. Hier profitieren die ehemaligen Mitarbeiter von den sozialen Leistungen der Schweizer Arbeitslosenkasse und damit von Leistungen, von denen in Campione aktuelle nur geträumt werden kann. Bleibt also zu hoffen, dass sich die Hoffnungen der Bevölkerung erfüllen und der riesige Casino-Tempel schon bald wieder seine Türen öffnen kann – immerhin handelt es sich auch um ein bedeutendes Stück europäischer Geschichte.

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Der Beitrag wurde am 28.1.2019 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , , veröffentlicht.
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