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Brexit: Was sind die Folgen für die Glücksspielbranche?

Kaum eine Entscheidung wurde seit Gründung der Europäischen Union so lange diskutiert wie die jüngste Abspaltung des Vereinigten Königreichs. Seit dem 1. Januar 2021 ist das Königreich von Großbritannien und Nordirland ganz offiziell kein Teil der EU mehr. Das hat unweigerlich Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Beziehungen, die künftig vor eine enorme Herausforderung gestellt werden. Aber betrifft das auch Unternehmen aus der Glücksspielbranche?

Europäische Flagge als Puzzle mit dem Wort Brexit im Zentrum.

Der Brexit wird die Beziehungen zwischen Europa und Großbritannien auf die Probe stellen – auch in der Glücksspielbranche. (©daniel_diaz_bardillo/Pixabay)

Glücksspiel in Europa: Ein Geben und Nehmen

Über die Jahre hinweg haben sich die Beziehungen der europäischen Partner zueinander immer weiter verstärkt. Durch den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU dürften diese Beziehungen nun erst einmal auf eine harte Probe gestellt werden. Betroffen sind nahezu alle Wirtschaftsbereiche, darunter natürlich auch das Glücksspiel. Beide Parteien haben in dieser Hinsicht über die Jahre hinweg eng kooperiert. Viele große Glücksspielkonzerne auf dem europäischen Markt haben ihren Sitz in Großbritannien. Viele Unternehmen mit Sitz in EU-Ländern sind wiederum auf dem britischen Markt aktiv.

Sicher ist, dass sich rund um die Lizenzbedingungen etwas ändern wird. Die britische Glücksspielbehörde ist aktuell mit der Überarbeitung des Glücksspielgesetzes beschäftigt. Welche Auswirkungen dies konkret auf die Lizenzvergabe haben wird, ist allerdings noch nicht bekannt. Aktuell ist es sowohl den britischen Unternehmen als auch den europäischen Unternehmen möglich, in Großbritannien ihre Dienste zur Verfügung zu stellen. Dies könnte sich ändern. Es gilt als wahrscheinlich, dass Glücksspielanbieter mit Lizenz aus Malta künftig eine gesonderte Lizenz für den britischen Markt benötigen werden. Anders sieht es bei den Lizenzen aus Alderney und von der Isle of Man aus. Diese Unternehmen, deren Lizenzgeber zum britischen Hoheitsgebiet gehören, dürfen vermutlich wie gewohnt in Großbritannien aktiv bleiben.

Gibraltar steht vor besonderen Herausforderungen

Noch einmal eine Sonderrolle dürften künftig die Glücksspielunternehmen einnehmen, die ihre Lizenz aus Gibraltar haben. Gibraltar ist ein britisches Überseegebiet. Die Entscheidung Großbritanniens betrifft also auch das kleine Land südlich von Spanien. Lange Zeit hatte sich Gibraltar gegen den Austritt im „Schlepptau“ von Großbritannien gewehrt und wollte zumindest in eigenen Verhandlungen die eigene Position stärken und von den Vorteilen der Europäischen Union profitieren. Nun allerdings ist Gibraltar größtenteils doch vom Ausstieg direkt betroffen. Für die dortigen Glücksspielunternehmen und ihre Angestellten könnte das horrende Herausforderungen bedeuten.

Viele Arbeitnehmer pendeln regelmäßig die Strecke zwischen Wohnsitz in Spanien und Arbeitsplatz in Gibraltar. Das war bisher dank der geöffneten EU-Grenzen problemlos möglich. Nun allerdings könnten Visa für die Einreise in die EU und umgekehrt erforderlich sein. Der bürokratische Aufwand steigt enorm. Zudem besteht die Gefahr, dass Visa, warum auch immer, abgelehnt werden. Im schlimmsten Fall könnte das für einzelne Angestellte den Verlust von Arbeitsplatz oder Wohnort zur Folge haben. Ein weiteres Problem: Gibraltar profitiert nicht mehr von der EU-Dienstleistungsfreiheit. Die Unternehmen mit einer Lizenz aus dem kleinen Land können künftig also nicht mehr ohne Weiteres ihre Angebote in europäischen Ländern zur Verfügung stellen. War dies in Deutschland zumindest lange Zeit in Form einer rechtlichen Grauzone möglich, würden die Unternehmen bei Verstößen gegen die Gesetze nun vollständig in die Illegalität abrutschen.

Macht das „Beispiel Dänemark“ Schule?

Wie genau die Lizenzbedingungen künftig geregelt werden, dürfte einer der spannendsten Aspekte rund um das grenzübergreifende Glücksspiel bleiben. Einen interessanten Weg hat bereits das skandinavische Land Dänemark eingeschlagen. Hier beschäftigte sich die zuständige Glücksspielbehörde bereits Anfang Dezember mit dem Austritt und den drohenden Folgen für den europäischen Glücksspielmarkt. Bereits frühzeitig hat sich Dänemark auch dazu entschieden, die Vergabe von Lizenzen an Unternehmen mit Sitz in Gibraltar oder Großbritannien zu verbieten. Unternehmen innerhalb der EU können sich hingegen weiterhin regulär für eine Lizenz des Landes bewerben.

Für die britischen Unternehmen soll dies künftig nur möglich sein, wenn eine Art Bevollmächtigter für die Behörden zur Verfügung steht. Hierbei soll es sich zum Beispiel um eine Person oder eine Firma handeln, die innerhalb von Dänemark oder anderen EU-Ländern ansässig ist. Nur dann besteht die Chance, dass auch mit einem Geschäftssitz außerhalb der EU Glücksspiele angeboten werden dürfen.

Konzerne schon auf anderen „Baustellen“ aktiv

Da der Austritt des Königreichs nach langen Diskussionen erfolgt ist, hatten die Unternehmen natürlich genügend Zeit, sich auf diesen vorzubereiten. Erkennbar war deshalb schon in den vergangenen Monaten, dass sich die britischen Konzerne zunehmend nach anderen Märkten umsehen. Besonders interessant ist für viele Unternehmen vor allem der Markt in den USA geworden. Dieser befindet sich seit mehr als einem Jahr permanent im Wachstum, einige britische Unternehmen mischen mit eigenen Lizenzen aus Übersee schon kräftig mit.

In den kommenden Monaten dürfte sich dieser Trend vermutlich noch verstärken. Immerhin ist der Heimatmarkt in Großbritannien enorm umkämpft und angesichts der großen Anzahl von Unternehmen nahezu übersättigt. Hier allein stabile Geschäfte aufzubauen, dürfte also in den kommenden Monaten immer schwieriger werden.

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Der Beitrag wurde am 8.1.2021 in dem Magazin von Betrugstest.com unter den Schlagwörtern , , , veröffentlicht.
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