Startseite

Fake-Profile in den sozialen Medien: Betrug erkennen und Schäden begrenzen

Gefälschte Accounts gehören inzwischen zum Alltag auf Facebook, Instagram, TikTok und Co. Sie imitieren Behörden, Unternehmen, Medienmarken oder Prominente. Dahinter steckt selten “nur” ein Scherz. Häufig geht es um Geld, Zugangsdaten oder Identitätsmissbrauch. Wir erklären dir nachfolgend, warum du den Betrügern nicht schutzlos ausgeliefert bist und was zu tun ist, falls du Opfer von Betrug geworden bist.

Minimalistische grüne Illustration, die verifizierte und gefälschte Social-Media-Profile (Häkchen vs. rotes Kreuz) unter einer Lupe zeigt, daneben eine Personen-Silhouette mit Schutzschild und Warnsymbol. - Erstellt mit AI durch Betrugstest Prompt.

Fake-Profile auf sozialen Medien öffnen Tür und Tor für Betrugsmaschen aller Art. Man kann sie aber erkennen.

  • Die Betrugsmaschen mit gefälschten Profilen sind vielfältig. Verbitet sind Anlagebetrug, Betrug mit Prominenten und Love Scamming.
  • Die Drahtzieher geben sich viel Mühe, die Profile täuschend echt aussehen zu lassen, Auch KI ist ihnen dabei in vielen Fällen behilflich.
  • Zum Glück gibt es Möglichkeiten, Fake-Profile zuverlässig zu erkennen und entsprechende Schritte einzuleiten, um den Betrügern das Handwerk zu legen.

Das Problem ist real und aktuell

Beispiele für Betrug mit Fake-Profilen gibt es einige. So tauchte zum Beispiel in Hanau im September 2025 ein Account auf, der sich als offizielles Profil von Oberbürgermeister Claus Kaminsky ausgab. Der Fake-Account sollte Menschen in angebliche WhatsApp-Investitionsgruppen ziehen. Dort sollten Anlagetipps gegen Entgelt verkauft werden. Die Stadt warnte öffentlich und versuchte den Missbrauch zu stoppen.

Ein weiteres Beispiel kommt aus Mainz. Dort verlor ein 34-Jähriger laut Polizei über 20.000 Euro, nachdem er über eine Instagram-Werbeanzeige angesprochen worden war. Es folgte der Einstieg in WhatsApp-Gruppen mit Börseninhalten. Später wurden konkrete “Investments” vorgeschlagen.

Eine App sollte installiert werden, inklusive Identifizierung per Personalausweis. Anfangs zeigten sich scheinbare Gewinne. Danach brach der Kontakt ab. Auffällig: Das Profil einer Frau in der Schweiz war offenbar übernommen worden und diente als Vertrauensanker.

Love Scamming und Finanzbetrug

Auch klassische “Beziehungsmaschen” laufen über Fake-Profile. In Frankfurt überwies eine 81-Jährige über Monate einen mittleren fünfstelligen Betrag an einen Täter, der sich auf Facebook als US-Polizist ausgab und ihr Liebe vorspielte. Der Betrug flog erst auf, als ein Bankmitarbeiter misstrauisch wurde.

Finanzbetrug wird zudem systematisch über gefälschte Markenauftritte betrieben. Sparkassen warnen seit 2025 öffentlich vor falschen Sparkassen-Profilen auf Instagram und Facebook. Diese Accounts arbeiten mit nachgeahmten Logos, minimal veränderten Profilnamen und “Anlageangeboten”.

Typisch ist die Weiterleitung in WhatsApp-Gruppen, in denen über Wochen Vertrauen aufgebaut wird. Am Ende steht eine vermeintlich seriöse Handelsplattform. Einzahlungen landen bei Betrügern. Auszahlungen bleiben aus.

Betrug mit Prominenten

Parallel wächst das Problem rund um WhatsApp-Gruppen, die mit bekannten Namen, “Expertinnen”, Unternehmen oder Prominenten ködern. Verbraucherzentralen berichten von zahlreichen Betroffenen.

Genannt werden Varianten über unseriöse Tradingplattformen, Krypto-Transfers auf fremde Wallets, angeblich “vorbörsliche” Aktien und Pump‑and‑Dump-Käufe bei Penny Stocks. Ebenfalls häufig: der Zweitrundenbetrug durch angebliche “Rückhol-Anwälte” gegen Vorschuss.

Warum Fake-Profile gerade jetzt so erfolgreich sind

Professionelle Betrugsnetzwerke nutzen die Mechanik sozialer Plattformen. Reichweite entsteht über Werbeanzeigen, Empfehlungssysteme und Gruppenfunktionen. Der Erstkontakt wirkt beiläufig. Der Aufbau ist oft geduldig. Wochenlange Chatverläufe erzeugen Normalität. In WhatsApp- oder Telegram-Gruppen verstärken Bots und Schein-Profile den Eindruck einer aktiven Community.

Hinzu kommt der KI-Effekt. Bilder, Grafiken und sogar Videos lassen sich täuschend echt generieren. Verbraucherzentralen beschreiben, dass Deepfakes in sozialen Netzwerken und Videoplattformen häufiger werden und selbst wachsame Menschen täuschen können.

So läuft der Betrug häufig ab

Oft startet alles mit einem “seriösen” Profil. Der Name wirkt plausibel. Das Logo passt. Die Bio liest sich professionell. Dann folgt ein kleines Angebot: ein Tipp, ein Link, ein Gewinnspiel, ein exklusiver Zugang, ein angeblicher Support.

Bei Investment-Scams ist das Muster besonders stabil. Erst kommen allgemeine Inhalte. Danach folgt “Coaching”. Anschließend erscheinen Screenshots von Erfolgen. Später wird eine App oder Webseite empfohlen. Einzahlungsprozesse funktionieren reibungslos. Auszahlungen scheitern plötzlich. Dann tauchen Gebühren, Steuern oder “Verifikationen” auf, die weitere Zahlungen auslösen sollen. Verbraucherzentralen und Medien berichten dabei auch von Fällen mit sehr hohen Schäden.

Bei Romance-Scams ist die Dramaturgie anders. Das Profil zeigt eine glaubwürdige Person. Die Geschichte klingt schlüssig. Das Tempo ist emotional. Am Ende steht eine Notlage. Geld soll helfen. Der Kontakt läuft über Messenger, weil das “privater” wirkt. Der Frankfurter Fall zeigt, wie lange diese Masche tragen kann.

Im Umfeld von Marken- und Behörden-Imitationen ist die Einstiegshürde noch geringer. Ein gefälschtes Konto schreibt direkt an. Ein “Sicherheitsproblem” wird behauptet. Ein Link führt zu einer Anmeldeseite. Danach verschwinden Konten, Zugänge oder Geld. Sparkassen beschreiben diese Social-Scam-Variante ausdrücklich im Zusammenhang mit gefälschten Profilen und WhatsApp-Gruppen.

Woran Fake-Profile zu erkennen sind

Perfekte Einzelmerkmale gibt es selten. Auffällig wird es meist durch Kombinationen. Ein kurzer Plausibilitätscheck spart später viel Aufwand und verringert die Gefahr, Opfer einer der Betrugsmaschen zu werden.

  • Minimal veränderte Namen: zusätzliche Punkte, Unterstriche, Zahlen, Domains oder “official”-Zusätze, die fast richtig wirken.
  • Unscharfe oder “leicht falsche” Logos: verzerrte Kanten, abweichende Farben, ungewöhnliche Typografie oder falsch platzierte Elemente.
  • Dünne Profilinfos: fehlendes Impressum bei Unternehmensauftritten, vage Beschreibungen, keine verlässliche Kontaktmöglichkeit.
  • Unlogische Historie: sehr neues Profil, wenige Beiträge, sprunghafte Themenwechsel oder plötzliches Rebranding.
  • Unnatürliche Interaktion: viele Follower, aber kaum echte Diskussion; Kommentare nur mit Emojis oder generischen Phrasen.
  • Auffällige Kontaktaufnahme: sehr schnelle Antworten, identische Textbausteine, kein Bezug zu vorherigen Nachrichten.
  • Druck und Dringlichkeit: “nur heute”, “sofort handeln”, “letzte Chance”, Drohungen oder Schuldgefühle als Hebel.
  • Unrealistische Versprechen: hohe Gewinne ohne Risiko, garantierte Renditen, “geheime” Insider-Infos ohne nachvollziehbare Quelle.
  • Link-Fokus: das Gespräch steuert früh auf externe Seiten, Apps oder Formulare, statt transparent zu informieren.
  • Zahlungslenkung: Überweisungen auf unbekannte Konten, ausländische IBANs, Krypto-Transfers oder Gebühren vor einer “Auszahlung”.

Schutz: Was Konten und Daten robuster macht

Starke Passwörter bleiben unverzichtbar. Wichtig sind Länge und Einzigartigkeit. Passwortmanager reduzieren Wiederverwendung. Zwei‑Faktor‑Authentifizierung bremst Kontoübernahmen spürbar. Sinnvoll ist außerdem eine sparsame Datenpolitik. Öffentliche Profilinfos liefern Betrügern Material für glaubwürdige Ansprache. Dazu gehören Geburtsdaten, Arbeitgeber, Telefonnummern, Routinen und Familienbezüge. Je weniger davon offen liegt, desto schwerer wird Social Engineering.

Ein weiterer Punkt: Trennung von Kommunikationskanälen. Wer Finanzthemen, private Kontakte und öffentliche Profile strikt auseinanderhält, senkt das Risiko, in Gruppensog und Dauerchat zu geraten. Gerade bei Investment-Scams ist die Gruppenlogik Teil des Angriffs.

Wenn Betrug passiert ist: Schritte zur Schadensbegrenzung

Tempo zählt. Kontaktabbruch ist der erste Stabilisierungsschritt. Danach folgt Beweissicherung. Screenshots, Chatverläufe, Profil-URLs, Zahlungsbelege und verwendete Telefonnummern sind wertvoll. Auch angebliche “AGB”, Mails und App-Namen gehören dazu.

Finanzielle Transaktionen brauchen sofortige Gegenmaßnahmen. Banken können Überweisungen nicht immer zurückholen, aber manchmal stoppen. Karten lassen sich sperren. Zugänge können gesichert werden. Bei Krypto-Transfers ist Rückholung oft kaum möglich. Dennoch hilft die Dokumentation, um Zahlungswege nachzuzeichnen.

Parallel läuft die Meldeschiene. Social Media Portale sollen Fake-Profile löschen. Messenger-Accounts lassen sich blockieren. In gravierenden Fällen gehört eine Anzeige dazu. Das gilt besonders bei Identitätsmissbrauch, Drohungen oder hohen Summen.

Melden und löschen lassen

Fake-Profile sind nicht nur ein Ärgernis. Sie können Persönlichkeitsrechte, Namensrechte und das Recht am eigenen Bild verletzen. Diese Perspektive ist juristisch relevant, wenn Portale nicht reagieren. Aktuell hat das Oberlandesgericht München am 20. Januar 2026 entschieden, dass ein Social-Media-Anbieter auch unter Geltung des Digital Services Act als mittelbarer Störer verpflichtet sein kann, beanstandete Fake-Accounts zu sperren oder zu entfernen.

Die Entscheidung besagt zudem, dass die Pflicht sich auch auf künftige identische oder “kerngleiche” Fake-Accounts beziehen kann, ohne dass jeder einzelne erneut gemeldet werden muss. Damit gewinnt die saubere Dokumentation der Meldung an Gewicht. Klare Hinweise, Screenshots und Links sind nicht nur praktisch, sondern auch rechtlich sinnvoll.

Denise Schlüter
Als leidenschaftliche Online-Lotto-Spielerin wurde sie zur Verbraucherschützerin: Denise deckt Täuschungen auf und empfiehlt nur Anbieter mit nachweislicher Lizenz, Datensicherheit, fairen Bedingungen und seriösem Kundenschutz. Ob Online Lotto, Casinos oder Singlebörsen – sie prüft Details, AGB und Zahlungsmethoden bis ins Kleingedruckte und bleibt mit regelmäßigen Markt-Checks up to date. Ihre Tests zeigen, wo sich eine Anmeldung lohnt – und wo Vorsicht geboten ist.
Geschrieben von: Denise Schlüter
(0) Kommentare
Deine Meinung ist wichtig – teile sie mit uns!

*Alle Kommentare werden moderiert