Ein kleiner Welpe mit Schleife unterm Weihnachtsbaum. Dieses Bild haben viele im Kopf, wenn es um das ultimative Geschenk geht. Online-Portale wie Kleinanzeigen und soziale Netzwerke versprechen, diesen Wunsch schnell zu erfüllen. Tatsächlich ebnen sie oft den Weg in eine Falle aus Betrug und Tierleid. Eine Gefahr, die gerade im Dezember besonders groß ist und den Weihnachtstraum schnell in einen Albtraum verwandelt.
Die Illusion des perfekten Geschenks. Hinter dem Online-Welpenkauf steckt oft ein System aus Betrug und immensen Kosten für die neuen Besitzer.
- Täter fordern entweder Vorkasse für Geisterwelpen oder verkaufen kranke Tiere direkt aus dem Kofferraum.
- Behörden verzeichnen Rekordjahre mit über 1800 sichergestellten Tieren.
- Statt Familienglück drohen vierstellige Tierarztkosten und Besuche in der Tierklinik.
So funktioniert der Online Betrug
Die Täter nutzen die hohe Nachfrage zur Weihnachtszeit gezielt aus. Ihre Vorgehensweisen lassen sich in zwei Hauptmethoden unterteilen. Bei der einen zahlen die Opfer für ein Tier das gar nicht existiert. Bei der anderen erhalten sie einen realen Welpen der allerdings unter tierschutzwidrigen Bedingungen gezüchtet wurde.
Ein Tier, das es nie gab
Beim reinen Vorschussbetrug erstellen Kriminelle Fake-Anzeigen auf eBay Kleinanzeigen mit gestohlenen Fotos und überzeugenden Geschichten. Sobald ein Interessent anbeißt beginnt das System der Vorauszahlungen. Zuerst wird eine Schutzgebühr oder eine Anzahlung verlangt. Ist das Geld überwiesen folgen oft weitere Forderungen. Plötzlich braucht es Geld für eine spezielle Transportbox eine unerwartete Impfung oder eine Versicherung. So lange bezahlt wird halten die Täter den Kontakt. Irgendwann bricht er ab. Der versprochene Welpe kommt nie an.
Welpen aus der Fabrik
Bei dieser Methode wird tatsächlich ein Tier geliefert. Die Hintergründe sind jedoch problematisch. Kriminelle Netzwerke betreiben sogenannte Welpenfarmen in denen Tiere unter mangelhaften Bedingungen gezüchtet werden. Die Welpen werden viel zu früh von der Mutter getrennt sind oft krank nicht geimpft und durch den Transport geschwächt. Mit gefälschten Papieren werden sie nach Deutschland gebracht. Die Übergabe findet dann meist schnell und anonym auf Parkplätzen oder an Autobahnraststätten statt. Die neuen Besitzer bemerken oft erst Tage später dass ihr Tier schwer krank ist.
Die Zahlen hinter dem Tierleid
Der illegale Handel mit Haustieren ist kein Randphänomen sondern ein organisiertes Geschäft mit System. Besonders seit dem Jahr 2020 ist die Nachfrage und damit auch das illegale Angebot stark gestiegen. Statistiken von Tierschutzorganisationen zeigen die Entwicklung deutlich. Wurden 2020 bundesweit noch 86 Fälle mit rund 770 Tieren registriert schnellte die Zahl 2021 auf einen Rekord von 211 Fällen mit über 1.800 Tieren hoch. Auch 2022 blieb das Niveau mit fast 300 aufgedeckten Fällen und mehr als 1.200 Tieren alarmierend hoch. Experten gehen davon aus dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist.
Eine direkte Reaktion der Tierschützer auf dieses Problem ist der traditionelle Vermittlungsstopp vor den Feiertagen. Die Praxis ist so etabliert, dass die folgende Meldung des Tierheims Berlin zwar aus dem Jahr 2023 stammt, aber nichts an ihrer Brisanz verloren hat. Im Gegenteil, das Vorgehen wiederholt sich jährlich. Auch für das laufende Jahr hat beispielsweise das Tierheim Trier bereits einen Vermittlungsstopp über die Feiertage bekannt gegeben.
„Tiere werden nicht geshoppt, sondern adoptiert. Daher eignen sie sich absolut nicht als Überraschung unter dem Weihnachtsbaum“, so die TVB-Vorsitzende Eva Rönspieß. „Alle Beteiligten müssen sich gemeinsam bewusst für ein Tier entscheiden. Denn ein Tierleben lang übernimmt man Verantwortung und muss die Kosten für Futter, artgerechte Haltung und Tierarztrechnungen aufbringen. Ganz wichtig zu wissen: Tiere sind vom Austausch ausgeschlossen und es besteht keinerlei Anrecht auf einen Tierheimplatz, wenn man das Tier wieder loswerden möchte.“
Tierheim Berlin – Aktuelle Meldungen 2023
Die aktuellen Zahlen für 2025 bestätigen den Trend. Bis September wurden bereits über 540 Welpen sichergestellt und das umsatzstarke Weihnachtsgeschäft hat gerade erst begonnen. Angetrieben wird dieses Geschäft von enormen Gewinnspannen. Ein Welpe, der in Osteuropa für wenige Dutzend Euro eingekauft wird findet in Deutschland für mehrere hundert oder sogar tausende Euro einen Käufer. Längst sind es nicht mehr nur Billigangebote die Verdacht erregen sollten. Die Händler haben sich angepasst und verlangen für Tiere aus zweifelhafter Herkunft oft marktübliche Preise um seriös zu wirken.
Gebrochene Herzen und hohe Kosten: Die Folgen für Mensch und Tier
Der kleine Welpe ist endlich da, die Freude unter dem Weihnachtsbaum riesig. Doch oft wird schon nach wenigen Tagen klar, dass etwas nicht stimmt. Das Tier ist apathisch, frisst nicht oder zeigt erste Krankheitssymptome. Was dann folgt, sind unzählige Besuche beim Tierarzt. Das vermeintliche Schnäppchen wird zur Kostenfalle. Rechnungen im vierstelligen Bereich sind keine Seltenheit und übersteigen den Kaufpreis um ein Vielfaches.
Und was ist aus dem günstigen Angebot geworden? Vor allem ist es zu einer Quelle für enormen emotionalen Stress geworden. Die ganze Familie kämpft um das Leben des kleinen Tieres, ein Kampf, der leider allzu oft mit seinem Tod endet. Tiere die überleben, haben häufig mit Verhaltensproblemen zu kämpfen, weil ihnen die wichtige frühe Prägung durch die Mutter fehlt. Am Ende sind viele Halter überfordert. Die letzte Station für das einst so ersehnte Geschenk ist dann das lokale Tierheim, das die Verantwortung und die weiteren Kosten trägt.
Adopt, don’t shop!
Wie schützt man sich also wirksam vor diesen Maschen? Wer ein Tier in seine Familie aufnehmen will, kann sich mit einer einfachen Checkliste an die wichtigsten Regeln halten. Diese Punkte solltest du unbedingt beachten:
- Keine Vorauszahlung: Überweise niemals Geld im Voraus, egal für welche angebliche Gebühr. Ein seriöser Kontakt wird das nicht verlangen.
- Besuch vor Ort ist Pflicht: Bestehe darauf, das Tier in seiner gewohnten Umgebung kennenzulernen. Nur so kannst du dir ein echtes Bild machen.
- Das Muttertier gehört dazu: Lass dir immer die Mutter und idealerweise die Geschwister zeigen. Fehlt die Mutter, ist das ein klares Alarmsignal.
- Keine anonymen Treffen: Übergaben auf Parkplätzen, an Raststätten oder Bahnhöfen sind typisch für den illegalen Handel und absolut tabu.
- Mitleid ist ein schlechter Ratgeber: Auch wenn es schwerfällt, kaufe kein Tier aus Mitleid. Jeder Kauf unterstützt die Täter und schafft Platz für das nächste leidende Tier.
Der sicherste und beste Weg führt ohnehin ins lokale Tierheim. Auch anerkannte Züchter oder seriöse Tierschutzvereine, die Tiere aus dem Ausland vermitteln, sind eine gute Anlaufstelle. Ein Beispiel für transparente Tierschutzarbeit ist etwa die Organisation Rhodos-Pfoten e.V.. Hier wartet oft genau der richtige Begleiter auf eine zweite Chance.
Wer Tierliebe verschenken möchte, ohne gleich ein Tier zu adoptieren, findet viele sinnvolle Alternativen. Eine Patenschaft für ein Tierheimtier, zum Beispiel als Futterpatenschaft, ist ein ebenso wertvolles Geschenk. Auch Geldspenden oder das Angebot, regelmäßig mit Hunden Gassi zu gehen, helfen den Tieren direkt und nachhaltig.
Neue Regeln und schärfere Kontrollen?
Immerhin gibt es Bewegung und das sogar auf europäischer Ebene. Das Europäische Parlament hat im Juni 2025 einem Gesetzespaket zugestimmt, das den illegalen Handel an der Wurzel packen soll. Geplant sind eine verpflichtende Kennzeichnung per Mikrochip und eine Registrierung für alle Hunde und Katzen in der EU.
Das Ziel ist eine lückenlose Rückverfolgbarkeit die anonymen Online Verkäufern das Geschäft massiv erschweren würde. Auch EU weite Mindeststandards für die Zucht sollen die unkontrollierte Produktion von Welpen eindämmen.
Noch ist dieses Gesetz allerdings nicht in Kraft. Der Vorschlag muss erst noch final verhandelt werden. Diese Entwicklungen sind ein wichtiger Hoffnungsschimmer. Doch sie ersetzen nicht die Verantwortung jedes Einzelnen. Der wichtigste Appell bleibt daher auch in diesem Jahr bestehen. Ein Tier ist eine Entscheidung fürs Leben und kein Weihnachtsgeschenk.
- ^ Europäisches Parlament – Pressemitteilung zur Tierschutzgesetzgebung – Seite abgerufen am 03.12.2025
- ^ Eurogroup for Animals – Parlament liefert wichtigen Schritt gegen illegalen Welpenhandel – Seite aufgerufen am 03.12.2025
- ^ Vier Pfoten – Tierschutzpolitik und Welpenhandel – Seite abgerufen am 03.12.2025
- ^ Deutscher Tierschutzbund – Zahlen und Berichte zum illegalen Welpenhandel – Seite abgerufen am 03.12.2025
- ^ Rhodos-Pfoten e.V. – Tierschutzorganisation mit transparenter Vermittlungsarbeit – Seite abgerufen am 03.12.2025
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