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„Die Wirte haben danach gefragt.“: Millionenbetrug mit Registrierkassen in Österreich

Diesmal führt es uns nach Österreich, denn Ende Januar 2026 deckte die österreichische Steuerfahndung einen großen Registrierkassen Betrugsfall auf. Gastronomiebetriebe konnten mit Hilfe einer manipulierten Software jahrelang Einnahmen verschleiern und das mitten unter den Augen der Behörden. Bei über 50 Hausdurchsuchungen wurden mehr als 20 Beschuldigte ermittelt. Der Schaden beläuft sich auf mindestens fünf Millionen Euro. Die Ermittlungen betreffen hauptsächlich Wien und Niederösterreich.

Stilisierte grüne Registrierkasse mit gebrochener Kette vor einer Österreich-Karte, symbolisch für Kassenbetrug in der Gastronomie. – Erstellt mit AI durch Betrugstest Prompt.

Wer kontrolliert die Kassen? Verdeckte Algorithmen ließen Millionen in Wiener Cafés und Restaurants verschwinden.

  • IT-Experte programmierte Kassensoftware mit verstecktem Löschmodus. Knopfdruck ließ Transaktionen verschwinden wenn Kunden keinen Beleg wollten.
  • Über 20 Gastrobetriebe verschiedener Größen unter Verdacht. Durchsuchungen in fünf Bundesländern mit Fokus auf Wien und Niederösterreich.
  • Finanzministerium führt ab Oktober 2026 Beleglotterie ein. Preise bis 250.000 Euro sollen Kunden zum Belegfordern motivieren.

Verrat eines Insiders

Ein ehemaliger Mitarbeiter meldete den Betrug bei den Behörden, nachdem er mit seinem früheren Arbeitgeber in Konflikt geraten war. Daraufhin organisierte das Finanzministerium einen Großeinsatz mit rund 200 Beamten. Die koordinierten Durchsuchungen erstreckten sich über fünf Bundesländer und brachten umfangreiches Beweismaterial zum Vorschein. Die Frage nach der Rechnung im Restaurant bekommt durch diesen Fall eine ganz neue Bedeutung.

Versteckspiel mit Millionen

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein 56 jähriger Programmierer aus Niederösterreich. Der IT Fachmann mit 30 Jahren Branchenerfahrung entwickelte zunächst reguläre Kassensoftware. Auf Nachfrage bestimmter Gastronomen erstellte er jedoch ein verstecktes Zusatzprogramm.

Das System funktionierte denkbar einfach. Mittels USB Stick wurde die Software installiert und bot beim Kassieren drei Optionen. Neben regulärer Bar und Kartenzahlung konnten Kellner “bar ohne Rechnung” wählen, wodurch Transaktionen nachträglich aus dem System gelöscht wurden. Bei Kunden ohne Belegwunsch nutzten viele Gastronomen diese Funktion zum systematischen Verstecken von Einnahmen.

Vom Angeklagten zum Kronzeugen

Nach seiner Festnahme kooperierte der Software Entwickler mit den Behörden und wurde aus der Untersuchungshaft entlassen. Laut seinen Angaben stammte die Nachfrage nach der Manipulationsmöglichkeit direkt von den Gastronomen. Er behauptete, diese hätten die Funktion notfalls bei einem anderen Anbieter gesucht. Seine Aussagen werfen Fragen nach der tatsächlichen Verbreitung solcher Praktiken auf.

Vom Szenelokal bis zur Restaurantkette

Die Liste der verdächtigen Betriebe ist lang. Kleine Lokale gehören ebenso dazu wie bekannte Ketten mit bis zu 15 Standorten. Auch ein bekanntes Restaurant im Wiener Behördenviertel steht unter Verdacht. Die Behörden arbeiten noch an der Auswertung beschlagnahmter Computer, Mobiltelefone und Datenträger. Der Fall lässt neue Blicke auf die gesamte Gastronomiebranche zu und nährt den Verdacht systematischer Steuerhinterziehung in Teilen der Branche.

Mit Glücksspiel gegen Steuerflucht

Laut Finanzminister Markus Marterbauer untergraben solche Steuervergehen den Sozialstaat und belasten alle ehrlichen Steuerzahler. Ab Oktober 2026 wird daher eine landesweite Beleglotterie starten. Dabei können Kunden ihre Belege einreichen und monatlich Gewinne von 2.500 Euro erzielen. Halbjährlich locken sogar Hauptpreise von 250.000 Euro. Die Regierung will damit mehr Menschen zum Belegverlangen motivieren und so die Steuerehrlichkeit fördern.

Beleg als Waffe gegen Betrug

Christian Ackerler vom Amt für Betrugsbekämpfung empfiehlt allen Konsumenten, bei Nachfragen stets einen Beleg zu verlangen. Ein solcher Beleg koste nichts, unterstütze aber die Steuerehrlichkeit erheblich.

Bemerkenswert am aktuellen Fall bleibt die Tatsache, dass trotz bestehender Registrierkassenpflicht seit 2016 und vorgeschriebenem Manipulationsschutz seit 2017 dieser Steuerbetrug nicht verhindert werden konnte. Der Fall reiht sich damit in eine lange Liste bekannter Betrugsmaschen ein, gegen die Behörden ständig ankämpfen müssen. Fachleute diskutieren nun das in Deutschland eingeführte hardwarebasierte Sicherheitssystem als mögliche Alternative.

Denise Schlüter
Als leidenschaftliche Online-Lotto-Spielerin wurde sie zur Verbraucherschützerin: Denise deckt Täuschungen auf und empfiehlt nur Anbieter mit nachweislicher Lizenz, Datensicherheit, fairen Bedingungen und seriösem Kundenschutz. Ob Online Lotto, Casinos oder Singlebörsen – sie prüft Details, AGB und Zahlungsmethoden bis ins Kleingedruckte und bleibt mit regelmäßigen Markt-Checks up to date. Ihre Tests zeigen, wo sich eine Anmeldung lohnt – und wo Vorsicht geboten ist.
Geschrieben von: Denise Schlüter
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